"Gut so! Ich überlasse sie dieser Heiligen", spottete der Este; "ich aber will mich in einen Myrtenschatten an eine frische Quelle setzen und darin meinen Wein kühlen… Wenn nicht der andere Bruder, Ferrante, durch die Büsche bricht, sich neben mir ins Gras wirft und mir mit seinen Verschwörungen und hochverräterischen Einflüsterungen das Ohr vergiftet, wo ich dann die Wahl habe, ob ich ihn für einen Narren oder Bösewicht oder für beides halten soll. Neulich lud er mich brüderlich ein, den Herzog, wie er sich ausdrückte, aus der Mitte zu schaffen; doch sei überzeugt, hätte ich nur halbwegs hingehorcht, der Arge wäre zur selben Stunde an mir zum Verräter geworden. Auf diese Fährte aber folge ich ihm nicht, sondern schließe ihm den Mund, denn ich verehre den Herzog und hasse die Felonie. Aber sage mir, Strozzi, hältst du Don Ferrante eines bösen Streiches für fähig um der Krone willen?"
"Es sind Tücken ohne Folge und Frucht", antwortete der Richter, "wenn nicht ungewöhnliche Lagen oder unerwartete Erschütterungen die Drachensaat verhängnisvoll zeitigen."
"Macht das unter euch aus, ihr Raubtiere", lachte der leichtherzige
Julius, "und wenn ich aus Venedig zurückkehre, will ich sehen, welche
Leichen auf der Hofbühne von Ferrara herumliegen. Lebe wohl, Anbeter
der Gerechtigkeit, und eile dich! Der Herzog wartet."
Er umarmte den Freund und ließ ihn dann mit solchem Ungestüm fahren, daß jener taumelte. Strozzi suchte mit schnellen Schritten die Villa, und Julius schlenderte ihm gelassen nach.
Da er den Neptunusbrunnen erreichte, badete er sich, der Kühle bedürftig, das Antlitz und ließ den aus der Steinbrust eines Meerweibes springenden Wasserstrahl gegen seine durch die vertobte Nacht entkräftete Stirn fahren. Da, während er sich das Haupt mit seinem Tuche trocknete, wurde er eines müden Strolches gewahr, der unbeweglich auf einer Steinbank im schmalen Schatten des Mauerrunds lagerte und, den Kopf auf den Ellbogen gestützt, ihn unter dem Filz hervor mit unverwandten Augen beobachtete. Jetzt sprang er rasch auf die Füße und verneigte sich mit der Begrüßung: "Ich verehre Euch, Don Giulio!"
"Bleib!" bedeutete ihn der leutselige Este, "aber rücke! Es ist Raum für zwei. Ich habe Lust zu schlummern; du bewachst mich!"
Der Bravo zeigte lächelnd die weißen Zähne und lüftete den Dolch, der ihm am Gurt hing, ein wenig in der Scheide.
"Du bist von den Leuten des Kardinals?" sagte Don Giulio. "Wie heißest du?"—Der Kardinal war als der Besitzer und Ernährer einer stattlichen Bande bekannt.
"Ich nenne mich Kratzkralle", antwortete der andere untertänig.
"Aber dein christlicher Name?"