Lukrezia antwortete nur mit einem schwachen Lächeln. Rasch verschwand er.
Da umschlang das Mädchen die Schultern Lukrezias und fragte sie, Auge in Auge:
"Was wollte der Mensch mit seinem Lallen immer und immer wieder sagen? Was erhält er zum Lohn? Was gibst du ihm?—Den Tod?…"
Die Herzogin lächelte wiederum und ließ die Fragerin allein.
Diese warf sich auf den Betschemel nieder. Aber, das Vaterunser flüsternd, konnte sie den Gedanken nicht loswerden:
"Mit einem unüberlegten Worte habe ich einen Menschen geblendet und kann es nie verwinden! Diese aber lächelt, indem sie einen Menschen überlegterweise in den sicheren Tod sendet."
Doch hielt sie sich darum nicht für die Bessere, sondern verschloß das gemeinsame Elend in ihrer barmherzigen Brust.
Es war an einem Märztage nach Mitte des Monats, daß der Kardinal bei schon geöffneten, mit dem blausten Lenzhimmel gefüllten Fenstern bei der Herzogin speiste.
Da fiel das Gespräch gelegentlich auf den Großrichter Herkules Strozzi, von dem der Kardinal behauptete, er habe Ferrara heimlich verlassen.
Darauf äußerte die Herzogin, unmerklich erbleichend, ihre
Verwunderung, daß ein so gewissenhafter Beamter eine längere Reise
ohne Urlaub unternommen habe, welchen zu erteilen die Sache der
Regentin sei, wie sie glaube.