"Die Inschrift", erwiderte Dante, "war lateinisch und lautete: Hic jacet monachus Astorre cum uxore Antiope. Sepeliebat Azzolinus."

"Was heißt denn das?" fragte die andere neugierig.

Cangrande übersetzte fließend: "Hier schlummert der Mönch Astorre neben seiner Gattin Antiope. Beide begrub Ezzelin."

"Der abscheuliche Tyrann!" rief die Empfindsame. "Gewiß hat er die beiden lebendig begraben lassen, weil sie sich liebten, und das Opfer noch in der Gruft gehöhnt, indem er es die Gattin des Mönches nannte. Der Grausame!"

"Kaum", meinte Dante. "Das hat sich in meinem Geiste anders gestaltet und ist auch nach der Geschichte unwahrscheinlich. Denn Ezzelin bedrohte wohl eher den kirchlichen Gehorsam als den Bruch geistlicher Gelübde. Ich nehme das 'sepeliebat' in freundlicherem Sinne: er gab den beiden ein Begräbnis."

"Recht", rief Cangrande freudig, "du denkst wie ich, Florentiner! Ezzelino war eine Herrschernatur und, wie sie einmal sind, etwas rauh und gewaltsam. Neun Zehntel seiner Frevel haben ihm die Pfaffen und das fabelsüchtige Volk angedichtet." "Möchte dem so sein!" seufzte Dante. "Wo er übrigens in meiner Fabel auftritt, ist er noch nicht das Ungeheuer, welches uns, wahr oder falsch, die Chronik schildert, sondern seine Grausamkeit beginnt sich nur erst zu zeichnen, mit einem Zug um den Mund sozusagen—"

"Eine gebietende Gestalt", vollendete Cangrande feurig das Bildnis, "mit gesträubtem, schwarzem Stirnhaar, wie du ihn in deinem zwölften Gesang als einen Bewohner der Hölle malst. Woher hast du dieses schwarzhaarige Haupt?"

"Es ist das deinige", versetzte Dante kühn, und Cangrande fühlte sich geschmeichelt.

"Auch die übrigen Gestalten der Erzählung", fuhr er mit lächelnder Drohung fort, "werde ich, ihr gestattet es?"—und er wendete sich gegen die Umsitzenden—"aus eurer Mitte nehmen und ihnen eure Namen geben: euer Inneres lasse ich unangetastet, denn ich kann nicht darin lesen."

"Meine Miene gebe ich dir preis", sagte großartig die Fürstin, deren
Gleichgültigkeit zu weichen begann.