Diese ungewöhnliche Rede brachte den alten Pizzaguerra keineswegs aus der Fassung, und als ihn der Tyrann ansprach: 'Edler Herr, Euer ist die Klage', sagte er kurz und karg 'Herrlichkeit, Astorre Vicedomini verlobte sich öffentlich und ganz nach den Gebräuchen mit meinem Kinde Diana. Dann aber, ohne daß Diana sich gegen ihn vergangen hätte, brach er sein Verlöbnis. Unbegründet, ungesetzlich, kirchenschänderisch. Diese Tat wiegt schwer, und verlangt, wo nicht Blut, welches Deine Herrlichkeit nicht vergossen sehen will, eine schwere Sühne', und er machte die Gebärde eines Krämers, der Gewichtstein um Gewichtstein in eine Waagschale legt.

'Ohne daß Diana sich vergangen hätte?' wiederholte der Tyrann. 'Mich dünkt, sie verging sich. Hatte sie nicht eine Wahnsinnige vor sich? Und Diana schilt und schlägt. Denn Diana ist jähzornig und unvernünftig, wenn sie sich in ihrem Recht gekränkt glaubt.'

Da nickte Diana und sprach: 'Du sagst die Wahrheit, Ezzelin.'

'Das ist es auch', fuhr der Tyrann fort, 'warum Astorre sein Herz von ihr abgekehrt hat: er erblickte eine Barbarin.'

'Nein, Herr', widersprach der Mönch, die Verratene von neuem beleidigend, 'ich habe Diana nicht angeschaut, sondern das süße Antlitz, das den Schlag empfing, und mein Eingeweide erbarmte sich.'

Der Tyrann zuckte die Achseln. 'Du siehst, Pizzaguerra', lächelte er, 'der Mönch gleicht einem sittsamen Mädchen, das zum erstenmal einen starken Wein geschlurft hat und sich danach gebärdet. Wir aber sind alte, nüchterne Leute. Sehen wir zu, wie die Sache sich austragen läßt.'

Pizzaguerra erwiderte: 'Viel, Ezzelin, täte ich dir zu Gefallen wegen deiner Verdienste um Padua. Doch läßt sich beleidigte Hausehre sühnen anders als mit gezogenem Schwerte?' So redete der Vater Dianens und machte mit dem Arm eine edle Bewegung, welche aber in eine Gebärde ausartete, die einer geöffneten, wo nicht hingehaltenen Hand zum Verwechseln ähnlich sah. 'Biete, Astorre!' sagte der Vogt mit dem Doppelsinne: Biete die Hand! oder: Biete Geld und Gut!

'Herr', wendete sich jetzt der Mönch offen und edel gegen den Tyrannen, 'wenn du einen Haltlosen, ja einen Sinnberaubten in mir erblickst, ich zürne dir es nicht, denn ein starker Gott, den ich leugnete, weil ich sein Dasein nicht ahnen konnte, hat sich an mir gerächt und mich überwältigt. Noch jetzt treibt er mich wie ein Sturm und jagt mir den Mantel über den Kopf. Muß ich mein Glück—bettelhaftes Wort! armselige Sprache!—muß ich das Höchste des Lebens mit dem Leben bezahlen: ich begreife es und finde den Preis niedrig gestellt! Darf ich aber leben und mit dieser leben, so markte ich nicht!' Er lächelte selig. 'Nimm meine Habe, Pizzaguerra!'

'Herrschaften', verfügte der Tyrann, ich bevormunde diesen
verschwenderischen Jüngling. Unterhandeln wir zusammen, Pizzaguerra.
Du hörtest es: ich habe weite Vollmacht. Was denkst du von den
Bergwerken der Vicedomini?'

Der ehrbare Greis schwieg, aber seine nahe zusammenliegenden Augen glitzerten wie zwei Diamanten.