'Germano', gebot Ezzelin, 'ich bin dein Kriegsherr. Morgen vielleicht ruft die Tuba. Du bist nicht dein eigen, du gehörst dem Reich!'

Germano erwiderte nichts. Er befestigte den Handschuh. 'Vorzeiten', sagte er dann, 'unter den blinden Heiden gab es eine Gottheit, welche gebrochene Treue rächte. Das wird sich mit dem Glockengeläute nicht geändert haben. Ihr befehle ich meine Sache!' Rasch erhob er die Hand.

'So steht es gut', lächelte Ezzelin. 'Heute abend wird im Palaste
Vicedomini Hochzeit mit Masken gefeiert, ganz wie gebräuchlich. Ich
gebe das Fest und lade euch ein, Germano und Diana. Ungepanzert,
Germano! Mit kurzem Schwert!'

'Grausamer!' stöhnte der Krieger. 'Kommt, Vater! Wie möget Ihr länger das Schauspiel unserer Schande geben?' Er riß den Alten mit sich fort.

'Und du, Diana?' fragte Ezzelin, da er vor seinem Stuhl nur noch diese und die Neuvermählten sah. 'Begleitest du nicht Vater und Bruder?'

'Wenn du es gestattest, Herr', sagte sie, 'habe ich ein Wort mit der
Vicedomini zu reden.' An dem Mönche vorüber blickte sie fest auf
Antiope.

Diese, deren Hand Astorre nicht losgab, hatte an dem Gericht des Tyrannen einen leidenden, aber tief erregten Anteil genommen. Bald errötete das liebende Weib. Bald entfärbte sich eine Schuldige, die unter dem Lächeln und der Gnade Ezzelins sein wahres und ein sie verdammendes Urteil entdeckte. Bald jubelte ein der Strafe entwischtes Kind. Bald regte sich das erste Selbstgefühl der jungen Herrin, der neuen Vicedomini. Jetzt, von Diana ins Gesicht angeredet, warf sie ihr scheue und feindselige Blicke entgegen.

Diese ließ sich nicht beirren. 'Schau her, Antiope!' sagte sie. 'Hier mein Finger'—sie streckte ihn—'trägt den Ring deines Gatten. Den darfst du nicht vergessen. Ich bin nicht abergläubischer als andere, aber an deiner Stelle wäre mir schlimm zumute! Schwer hast du dich an mir versündigt, doch ich will gut und milde sein. Heute abend feierst du Hochzeit mit Masken nach den Gebräuchen. Ich werde dir erscheinen. Komme reuig und demütig und ziehe mir den Ring vom Finger!'

Antiope stieß einen Schrei der Angst aus und klammerte sich an ihren Gatten. Dann, in seinen Armen geborgen, redete sie stürmisch: 'Ich soll mich erniedrigen? Was befiehlst du, Astorre? Meine Ehre ist deine Ehre! Ich bin nichts mehr als dein Eigentum, dein Herzklopfen, dein Atemzug und deine Seele. Wenn du willst und du gebietest, dann!'

Astorre sprach, sein Weib zärtlich beruhigend, gegen Diana: 'Sie wird es tun. Möge dich ihre Demut versöhnen! und die meinige! Sei mein Gast heute nacht und bleibe meinem Hause günstig!' Er wendete sich zu Ezzelin, dankte ihm ehrerbietig für Gericht und Gnade, verneigte sich und entführte sein Weib. Auf der Schwelle aber wandte er sich noch fragend gegen Diana: 'Und in welcher Tracht wirst du bei uns erscheinen, daß wir dich kennen und dir Ehre bezeigen?'