Dieser von der Menge wütend beklatschte Schwank verscholl an den steilen Mauern der mächtigen Burg, deren Fenster und Gemächer zum großen Teil gegen die innern Hofräume gingen.

In einem stillen, geschützten Gemach wurde Antiope von ihren Zofen,
Sotte und einer andern, gekleidet und geschmückt, während Astorre den
nicht enden wollenden Schwarm der Gäste oben an den Treppen empfing.
Sie schaute in ihre eigenen bangen Augen, die ihr aus einem
Silberspiegel begegneten, welchen die Unterzofe mit einem neidischen
Gesicht in nackten, frechen Armen hielt.

'Sotte', flüsterte das junge Weib zu der Dienerin, die ihr die Haare flocht, 'du ähnelst mir und hast meinen Wuchs.—wechsle mit mir die Kleider, wenn du mich lieb hast! Gehe hin und ziehe ihr den Ring vom Finger! Reuig und demütig! Verbeuge dich mit gekreuzten Armen vor der Pizzaguerra, wie die letzte Sklavin! Falle auf die Knie! Wälze dich am Boden! Wirf dich ganz weg! Nur nimm ihr den Ring! Ich lohne fürstlich!' und da sie Sotte zaudern sah: 'Nimm und behalte alles, was ich Köstliches trage!' flehte die Herrin, und dieser Versuchung widerstand die eitle Sotte nicht.

Astorre, welcher der Pflicht des Wirtes einen Augenblick entwendete, um sein Liebstes zu besuchen, fand im Gemach zwei sich umkleidende Frauen. Er erriet. 'Nein, Antiope!' verbot er. 'So darfst du nicht durchschlüpfen. Es muß Wort gehalten werden! Ich verlange es von deiner Liebe. Ich befehle es dir!' Indem er diesen strengen Spruch mit einem Kuß auf den geliebten Nacken zu einem Kosewort machte, wurde er weggerissen von dem herbeieilenden Ascanio, welcher ihm vorstellte, seine Bauern wünschten ihm ihre Gaben ohne Verzug zu überreichen, um in der Kühle der Nacht den Heimweg anzutreten. Da sich Antiope wendete, um den Gatten wiederzuküssen, küßte sie die Luft.

Jetzt ließ sie sich rasch fertig kleiden. Selbst die leichtfertige
Sotte erschrak vor der Blässe des Angesichts im Spiegel. Nichts lebte
darin als die Angst der Augen und der Schimmer der zusarnmengepreßten
Zähnchen. Ein roter Streif, der Schlag Dianens, wurde auf der weißen
Stirn sichtbar.

Nach beendigtem Putz erhob sich das Weib Astorres mit klopfenden Pulsen und hämmernden Schläfen, verließ die sichere Kammer und durcheilte die Säle, Dianen suchend. Sie wurde gejagt von dem Mute der Furcht. Sie wollte jubelnd mit dem zurückeroberten Ring ihrem Gatten entgegeneilen, dem sie den Anblick ihrer Buße erspart hätte.

Bald unterschied sie aus den Masken die hochgewachsene Göttin der Jagd, erkannte in ihr die Feindin und folgte, bebend und zornige Worte murmelnd, der gemessen Schreitenden, welche den Hauptsaal verließ und sich gnädig in eines der schwachbeleuchteten und nur halb so hohen Nebengemächer verlor. Die Göttin schien nicht öffentliche Demütigung, sondern Demut des Herzens zu verlangen.

Jetzt neigte sich im Halbdunkel Antiope vor Diana. 'Gib mir den Ring!' preßte sie hervor und tastete an dem kräftigen Finger.

'Demütig und reuig?' fragte Diana.

'Wie anders, Herrin?' fieberte die Unselige. 'Aber du treibst dein Spiel mit mir, Grausame! Du biegst deinen Finger, jetzt krümmst du ihn!'