'Das geht mich nichts an', erwiderte der Tyrann ohne die geringste
Erregung. Das mache er mit sich selbst aus. Freiwillig, sagt das
Breve. Warum sollte er, wenn er ein guter Mönch ist, wie ich glaube,
seinen Stand wechseln? Damit das Blut der Vicedomini nicht versiege?
Ist das eine Lebensbedingung der Welt? Sind die Vicedomini eine
Notwendigkeit?'

Jetzt kreischte der andere in rasender Wut: 'Du Böser, du Mörder meiner Kinder! Ich durchblicke dich! Du willst mich beerben und mit meinem Geld deine wahnsinnigen Feldzüge führen!' Da gewahrte er seine Schwiegertochter, welche vor dem zögernden Mönch durch das Gesinde und über die Schwelle getreten war. Trotz seiner Leibesschwachheit stürzte er ihr mit wankenden Schritten entgegen, ergriff und riß ihre Hände, als wollte er sie zur Verantwortung ziehen für das über sie beide gekommene Unheil. 'Wo hast du meinen Sohn, Diana?' keuchte er.

'Er liegt in der Brenta', antwortete sie traurig, und ihre blauen
Augen dunkelten.

'Wo meine drei Enkel?'

'In der Brenta', wiederholte sie.

'Und dich bringst du mir als Geschenk? Dich behalte ich?' lachte der
Alte mißtönig.

'Wollte der Allmächtige', sagte sie langsam, 'mich zögen die Wellen, und die andern stünden hier statt meiner!'

Sie schwieg. Dann geriet sie in einen jähen Zorn. 'Beleidigt dich mein Anblick und bin ich dir überlästig, so halte dich an diesen: er hat mich, da ich schon gestorben war, an den Haaren gerissen und ins Leben zurückgezogen!'

Jetzt erst erblickte der Alte den Mönch, seinen Sohn, und sein Geist sammelte sich mit einer Kraft und Schnelligkeit, welche der schwere Jammer eher gestählt als gelähmt zu haben schien.

'Wirklich? Dieser hat dich aus der Brenta geholt? Hm! Merkwürdig!
Die Wege Gottes sind doch wunderbar!'