Die Schreitenden hatten eine Hügelwelle überstiegen und erblickten jetzt diejenige wieder, von der sie redeten. Sie hatte sich von den Hirtinnen getrennt und stand vor einem der tiefen und schnellströmenden Bäche, welche die Hochmatten durchschneiden. Neben ihr irrte ein blökendes Lämmchen, das die Herde verloren hatte, und am Uferrand sitzend, löste sich eine kropfige Bettlerin blutige Lumpen von ihrem wunden Fuße und wusch ihn mit dem frischen Wasser. Rasch entledigte sich das Mädchen der Schuhe, stellte dieselben mit einem mitleidigen Blick neben die Kretine, hob das Lamm in die Arme, watete mit ihm durch die Strömung und ließ es seiner Herde nachlaufen.

Da kam über Gnadenreich eine Erleuchtung. "Ich wage es! Ich nehme sie!" rief er aus. "Sie ist gut und barmherzig mit jeglicher Kreatur!"

"So gehe voraus und richte das Brautmahl! Ich werde für dich werben. Das ist doch dein Kastell?" In einiger Entfernung stieg aus einem Bezirke von Hürden und Ställen ein neugebauter Rundturm, über welchem gerade der Föhn einen ungeheuerlichen Wolkendrachen emportrieb. Gnadenreich bog seitwärts, die Brücke suchend, während der Höfling den reißenden Bach in einem Satze übersprang.

Wulfrin erreichte die Schwester. "Du läufst barfuß, Bräutchen?"

"Ich bin kein Bräutchen, und was nützen mir die Schuhe, wenn ich nicht mit dir durch die Welt laufen darf?"

"Du bist nicht die Törin, das im Ernste zu reden, und die Frau auf
Pratum darf nicht unbeschuht gehen."

"Gnadenreich hat nicht den Mund gegen mich geöffnet."

"Er wirbt durch den meinigen. Nimm ihn, rat ich dir, wenn du keinen andern liebst."

Sie schüttelte den Kopf. "Nur dich, Wulfrin."

"Das zählt nicht."