"Und du nahmst, Ungeheuer?" entsetzte sich der Herzog.

"Mit dem besten Gewissen von der Welt", erwiderte Morone leichtfertig. "Weißt du nicht, Fränzchen, was die Kasuisten lehren, daß ein Weib soviel nehmen darf, als man ihr giebt, wenn sie nur ihre Tugend behauptet? Das gilt auch für Minister und erlaubt mir, in dieser kargen Zeit unter Umständen auf mein Gehalt zu verzichten. Dafür kannst du dir zuweilen ein gutes Bild kaufen, Fränzchen. Du mußt auch deine ehrbare Ergötzung haben."

Sforza war erbleicht. Das Schreckbild des Borbone in seiner Burg und in seinem Reiche, welche beide dieser schon einmal—vor seinem berühmten Verrat—jahre lang als französischer Statthalter besessen hatte, brachte ihn um alle Besinnung. "Ich habe immer geglaubt, und es verfolgt mich auf Schritt und Tritt", jammerte der Ärmste, "daß der Borbone mein Mailand haben will. Rette mich, Girolamo! Schließe die Liga! ohne Verzug! Sonst bin ich verloren." Er sprang auf und ergriff den Kanzler am Arm.

Dieser erwiderte gelassen: "Ja, das geht nicht so geschwind, Fränzchen. Doch wird sich vielleicht heute noch etwas dafür thun lassen. Es trifft sich. Gestern ist die Exzellenz Nasi—nicht der Horatius, sondern der schöne Lälius—bei unserm Wechsler Lolli abgestiegen, und durch einen glücklichen Zufall auch Guicciardin hier angekommen, der trotz seiner Borsten im Vatikan eine angenehme Person ist. Mit diesen zwei gescheiten Leuten ließe sich reden, und ich habe den Venezianer und den Florentiner an deine Abendtafel geladen, da ich weiß, daß du ein harmloses Geplauder und eine unterhaltende Gesellschaft liebst."

"O verfluchte, nichtswürdige Verschwörung!" klagte der Herzog wankelmütig.

"Und auch noch ein anderer ist eingeritten, im Morgengrauen. Dieser hat sich auf die dritte Stunde nachmittags angesagt, er wolle erst ausschlafen."

"Ein anderer? Welcher andere?" Der Herzog zitterte.

"Der Borbone."

"Gott verpeste den bleichen Verräter!" schrie Sforza. "Was will der hier?"

"Das wird er selbst dir sagen. Horch! es läutet Vesper im Dome."