"Anfangs, Herrlichkeit, war es eine bloße Vermutung, da sie mein Haus und Novara heimlich verließ. Und wie durfte ich Euch, der sein eigenes großes Schicksal trägt, mit dem kleinen eines Mädchens beschäftigen? Erst heute erhielt ich Gewißheit, durch ein Schreiben aus Rom, von der Äbtissin, in deren Kloster das arme Kind sich geflüchtet hatte."
Jetzt drängte sich Victoria flehend an die linke Seite ihres Helden, der unter dem Drucke des Frauenleibes einen körperlichen Schmerz zu empfinden schien. Um ihn zu verbergen und zu verwinden, that er ein paar Schritte vorwärts.
Die dreie standen vor den spielenden Lichtern des Brunnens. "Schönste Frau, mich hat herzlich verlangt, Euch wiederzusehen", sagte der Feldherr, "und da bist du ja, meine Seele!" Er blickte ihr in die strahlenden Augen. "Aber deine edeln Lider sind ja noch ganz bestäubt von der Reise. Dein Tuch!" Sie gab es ihm, der es netzte, und schloß die Augen, während er ihr Stirn und Lid und Wange wusch und badete.
"Ich erinnere mich deiner Enkelin ganz wohl, Numa, obwohl ich sie kaum gesehen habe. Tiefblaue Augen und kastanienbraune Haare, wie diese da, nicht wahr, und Julia heißt sie? Was ihre Sache betrifft, die dünkt mich schwer und tragisch. Nicht daß ich anstünde, den Bösen, den du kennst, Victoria—auch ich kann ihn nicht anders nennen—zur Ehe mit ihr zu zwingen, er würde sich fügen, ohne Zweifel, denn er ist mein Geschöpf und ich habe Macht über ihn. Aber ich frage mich, ob es gut sei, die Verschmähte an einen Herzlosen und Grausamen zu fesseln, der freilich durch seine Vermessenheit und Begabung in der Welt die höchsten Stufen erreichen wird. Und sie selbst? Wird sie es verlangen? Glaubst du, Victoria? Hat sie es verlangt, die sich dir in Rom zu Füßen geworfen hat, wie ich vermute, da du sie kennst?"
"So that sie", sagte Victoria mit flehender Stimme.
"Ertrug sie deinen reinen Anblick? Und im Ernst, du willst sie dem Manne geben, der sie verschmäht? Wenn sie mein Kind wäre, ich vergrübe sie ins Kloster. Ihr aber seid menschlich und barmherzig, Madonna. Und wer weiß, vielleicht liebt sie ihn noch, oder liebt und haßt ihn zugleich—ich verstehe das nicht. Doch ich will mich ihrer annehmen, sie habe die Wahl."
Jetzt öffnete der Arzt den welken Mund. "Arme Julia! Welche Wahl! Selig, daß sie ihrer überhoben ist!"
"Wodurch?" fragte Pescara.
"Durch eine dunkle, aber weise Gottheit."
"Ich verstehe", sagte der Feldherr rasch, "sie lebt nicht mehr."