"Wir werden uns nicht mehr trennen, Ferdinand, wenn du mich lieb hast."
"Nur noch einmal. Für einige Tage, höchstens eine Woche, Madonna, bis ich Mailand werde genommen haben. Ihr folget mir, und forthin, wenn Ihr wollt, trennen wir uns nicht mehr. Es liegt an dir, Victoria", sagte er zärtlich.
"Ob ich will!"
"Erinnerst du dich, Geliebte", scherzte er wiederum, "daß du mir einmal in Ischia am plätschernden Strande gesagt hast, du begreifest nicht, wie ein Weib, das geliebt habe, jemals einem Zweiten gehören könne? Es widerspricht der Liebe, sagtest du. Freilich, aber es hat Erfahrung und menschliche Natur für sich. Assenza, Assenza!"
Jetzt erhob sich Victoria zu ihrem ganzen stolzen Wuchs und streckte den herrlichen Arm, von welchem der Ärmel zurückfiel, gegen den leuchtenden Himmel und schwur: "Nie gehöre ich einem andern, bei den reinen Strahlen dieser Sonne!"
Der Feldherr beschwichtigte: "Dort stehen deine Kammerfrauen, Kind, und bestaunen dein Gelübde, das sie dir wahrlich nicht nachtun werden." Er winkte den in ehrerbietiger Entfernung harrenden Zofen und beurlaubte sich bei der Marchesa. "Ihr werdet Euch umkleiden, Herrin, und ich selbst habe noch bis zur Abendstunde zu thun. Auf Wiedersehen hier, nach Sonnenuntergang, zum Spätmahle." Er wendete sich und ging, ohne nach ihr sich umzublicken. Unten an der Treppe nahm er den Arm des greisen Arztes, langsam mit ihm durch einen Zypressengang nach dem Schlosse zurückwandelnd. "Wie war die Nacht Eurer Herrlichkeit?" fragte der Alte.
"Wie gewöhnlich", antwortete Pescara. "Du hast gegen deinen Gastfreund reinen Mund gehalten, Numa?"
"Ich erinnerte mich Eures Befehles... Aber wie möget Ihr mit dem Kanzler und meinem armen Italien dieses grausame Spiel treiben! Wie dürfet Ihr es?"
"Ich spiele mit Italien, sagst du? Im Gegenteil, deine Landsleute, Numa, spielen mit mir: sie heucheln Leben und sind tot in ihren Übertretungen und Sünden."
Sie gingen eine Weile schweigend. "Weißt du, Numa", spottete jetzt der Feldherr, "daß mich neulich ein Astrologe besucht und mir das Horoskop gestellt hat? Er schätzte mich auf sechzig Jahre, ich fand das wenig."