Victoria entsetzte sich. "Wie? Bist du kein Mensch? Bist du ein Geist ohne Fleisch und Blut? Betrittst du den Boden nicht, über den du wandelst?"
"Meine Gottheit", antwortete er, "hat den Sturm rings um meine Ruder beruhigt."
Da flehte Victoria: "Deine Gottheit?", und sie umschlang ihn mit beiden Armen, "ich lasse dich nicht, du nennest mir denn deinen Gott!"
Pescara löste sich sachte und erwiderte mit schmerzlichen Augen: "Wenn du es verlangst, aber komm mit mir in den Garten, ich muß Luft schöpfen."
Da sie auf die Terrasse traten, standen alle Sterne über ihnen, und drüben im alten Schlosse erblickten sie noch ein einsames Licht von irdischer Farbe. "Dort", sagte sie mitleidig, "ist der Kanzler schlummerlos und verzehrt sich in Angst und Hoffnung."
"Ich glaube nicht", versetzte Pescara, "eher hat er sich mit einem Mutwillen oder einer Nichtswürdigkeit in den Schlaf gelesen, und seine niederbrennende Ampel leuchtet den Wänden." Er hatte es erraten. Nach qualvollen Stunden hatte sich Morone mit einem Catull eingeschläfert.
Der Feldherr nahm seinen Weg nach dem Boskette mit den weißen Marmorbänken, wo er zu ruhen pflegte. Sie saßen unter dem dunkeln Laubdache, Hand auf Hand.
Da flüsterte Victoria: "Nun rede!" Der Feldherr aber schwieg.
Tritte nahten, und eine andere Bank füllte sich mit Geflüster. "Steht es wirklich so mit dem Feldherrn, Moncada? Ich habe Mühe, es zu glauben."
"Auch ich glaube es noch nicht, Leyva, aber ich forsche. Erlange ich Gewißheit, so trete ich hervor, und wir handeln. Der König darf sein Heer in Italien nicht verlieren."