"Hab ich? Dann war es der Irrthum eines momentanen Eindrucks. Menschen und Dinge wechseln."
"Die Dinge, ja; die Menschen, nein: sie verkleiden und spreizen sich, doch sie bleiben, wer sie sind. Nicht wahr, Hoheit?" Guicciardin wendete sich gegen den Herzog, welcher eben eintrat und dem der Venezianer auf dem Fuße folgte.
Die vier grünen Schemel besetzten sich und die Türen wurden verboten. Das offene Fenster füllte ein glühender Abendhimmel.
"Herrschaften", begann der Herzog mit würdiger Miene, "wie weit die Vollmachten?"
"Meine Bescheidenheit", sagte der schöne Lälius, "ist beauftragt abzuschließen."
"Die Weisheit des heiligen Vaters", folgte Guicciardin, "wünscht ebenfalls ein Ende. Die Liga war langeher der Liebling ihrer Gedanken: sie stellt sich, wie ihr gebührt, an die Spitze, mit Vorbehalt der schonenden Formen des höchsten Hirtenamtes."
"Die Liga ist geschlossen!" rief der Herzog muthig. "Kanzler, statte Bericht ab!"
"Herrschaften", begann dieser, "in ihren Briefen verspricht die französische Regentschaft, im Einverständnis mit dem zu Madrid gefangen sitzenden Könige, ein ansehnliches Heer und entsagt zugleich endgültig, in die Hände des heiligen Vaters, den Ansprüchen auf Neapel und Mailand."
"Optime!" jubelte der Herzog. "Und Schweizer bekämen wir soviel wir wollen, in lichten Haufen, wenn wir nur Ducaten hätten, ihnen damit zu klingeln. Nicht wahr, Kanzler?"
"Da ist Rat zu schaffen", versicherten die zwei Andern.