XLVIII Abendstimmung

Des Morgens lacht wie eine junge Frau,
Streng blickt am Abend meine Ufenau,
Durch Flutendunkel geisterhaft gestreckt,
Von nahen Bergesschatten zugedeckt.

Lang hat sich das Soldatenschiff ergetzt
An einem Echo. Beide schweigen jetzt.

Verklungen ist der Vesperglocke Schall,
Ein dunkler Friede waltet überall.

Wär' ich ein Jüngling voller Leidenschaft,
Beängstigt von der eignen Lebenskraft,

In Tränen löste sich, was bang und wild
Ein junges Herz bestürmt, vor diesem Bild.

Nun hab' ich handelnd meine Glut gedämpft,
Den Vesperfrieden hab' ich mir erkämpft

Und schreite, wann du, Sonne, dich entfernst,
Getrost durch diesen tiefen Abendernst.

In den gestrengen Zügen der Natur
Empfind' ich die verwandte Seele nur.

XLIX Nachtgespräch