»An einen andern Platz, als sie denken.«
»Bringt ihr sie auch manchmal hierher, Freitag?«
»Ja, ja, hierher und an noch andre Orte.«
»Bist du auch schon mit ihnen hierher gekommen?«
»Ja, Herr, von dort!« Hierbei zeigte Freitag nach der nordwestlichen Seite der Insel, wo der Landungspunkt lag.
»Aber, verirren sich nicht zuweilen die Kanoes auf der Überfahrt?«
»O, das hat keine Gefahr, Herr! Nur darf man nicht in den Strom fallen, der weit ins Meer hinausläuft; auch weht ein guter Wind des Morgens und wieder ein andrer des Abends.«
Anfangs glaubte ich, Freitag wolle von Ebbe und Flut reden; später indes überzeugte ich mich selbst, daß in der That zwei verschiedene Windströmungen in diesen Gewässern herrschten, die wahrscheinlich von der heftigen Flut und Rückflut des gewaltigen Orinokostromes herrührten, an dessen Mündung meine Insel lag. Das Land, das ich im Westen und Nordwesten erblickte, war die große Insel Trinidad.
Ich richtete an Freitag nun noch vielerlei Fragen, die sich auf sein Land und dessen Einwohner, das Meer, die Küstenstriche und die benachbarten Völkerschaften bezogen. Er beantwortete alles mit bereitwilliger Offenheit, so gut es eben ging, aber ich konnte aus ihm betreffs der Menschen keinen andern Namen bringen als die Bezeichnung »Karibs«, woraus ich schloß, daß es die Kariben seien, die den Landstrich von der Mündung des Orinoko bis nach Guayana und St. Martha bewohnen.
Er erzählte mir ferner: weit jenseit des Mondes – d. h. westwärts, wo der Mond unterging – gäbe es auch so weiße und bärtige Männer, wie ich sei (dabei deutete er auf meinen langen Bart), und diese Männer hätten viele Leute getötet. Es war daraus leicht zu erraten, daß er die Spanier meinte. Die Grausamkeit derselben war ja in ganz Amerika bekannt und hatte sich durch Erzählung von Geschlecht zu Geschlecht fortgepflanzt.