Kapitän Mors sah auf die gedemütigten Meuterer herab, bis er gewahrte, daß das schwerfällig stampfende Panzerschiff seinen Kurs nach dem Westen richtete. Da ging er befriedigt in den Raum, wo die acht Gefangenen lagen.
Dort standen auch die Männer, welche auf dem lenkbaren Luftschiff Dienste verrichteten. Gleich Bildsäulen an der Wand lehnend, begrüßten sie den Kapitän beim Eintritt. Sie beobachteten seine Augen, offenbar bereit, jeden Moment seine Befehle zu vollziehen.
Als Mors eintrat, erhoben Orloff, Gregor und Wassil ein Wutgeheul, und rissen wie toll an ihren Fesseln.
„Gebt Euch keine Mühe,“ tönte die Stimme des seltsamen Mannes. „Wen meine Leute gebunden haben, der kann sich unmöglich befreien. Die Fesseln vermag niemand zu zerreißen. Und nun ist die Stunde da, die ich so lange ersehnte. Wißt Ihr noch, Ihr Schufte, wie Ihr mir einstmals mit süßen Worten geschmeichelt habt, wie ich von Euch aufgefordert wurde, mein Können und mein Wissen in Eure Dienste zu stellen? Damals habe ich Euch zurückgewiesen und dafür habt Ihr mich vernichten wollen. Alles habt Ihr mir geraubt, was ich besaß, alles, sogar meine Ehre! Zum Verbrecher habt Ihr mich gestempelt, aber ich habe mich dennoch emporgerafft! Und jetzt seht Ihr mich vor Euch auf meinem Fahrzeug, das mein Genie geschaffen, das mich zum furchtbaren Manne macht! Ein Herrscher der Lüfte bin ich, wie andre Herrscher auf der Erde.“
Die Elenden wußten, daß sie keine Gnade zu erwarten hatten. Sie antworteten mit grauenvollen Flüchen.
„Ja, Ihr habt es erreicht,“ fuhr Kapitän Mors fort. „Zum Teufel habt Ihr mich ja gemacht und wenig fehlte, so hätte ich der ganzen Menschheit den Krieg erklärt. Aber das Angedenken an diejenigen, welche ich einst liebte und die von Euch gemordet wurden, diese Gedanken verhinderten, daß ich mich in einen Satan verwandelte. Freilich, die Erde ist mir versperrt, dafür habt Ihr gesorgt, aber ein Herrscher der Lüfte bin ich, ein Freibeuter über der Erde und dem Wasser. Ein Mann, dem nichts unerreichbar sein wird, was er begehrt. Lange habe ich Euch gesucht, bis ich endlich erfuhr, wo Ihr Euch aufhieltet. Auf dem Dache Eures Landhauses bei Odessa habe ich gestanden, da habe ich Eure Stimmen erkannt. Da wußte ich, an welchem Orte ich Euch zur Verantwortung ziehen würde.“
Orloff hob wütend den Kopf empor.
„Einige von uns hast Du,“ knirschte er, wohl wissend, daß ihn ein furchtbares Urteil erwartete. „Aber die gefährlichsten von uns und Deine erbittertsten Feinde, die hast Du noch nicht bekommen, die leben noch, die sind frei, die werden uns rächen!“
„Und wo sind diese?“ fragte Kapitän Mors, nähertretend. „Wohl weiß ich, daß Eure Vereinigung größer war und daß außer Euch noch andere existieren, die mich später mit solchem Hasse verfolgten. Wo finde ich sie, gib Antwort!“
„Nichts wirst Du erfahren,“ brüllte Orloff mit wildem Hohngelächter. „Nichts wirst Du erfahren, und solltest Du uns gleich in Stücke schneiden. Nein, nein, warte nur, die Stunde kommt, wo unsere Anhänger Dir und Deinem vermaledeiten Luftschiff den Garaus machen. Und denke daran, wenn es soweit ist!“