Hören Sie, meine Herren, hierüber den Ausspruch der Narrheit: Auf wie mehrere Arten des Wahnsinns der Mensch verfällt, um so viel glücklicher ist er; wenn er dabey nur in dem von mir bezeichneten Gleise bleibt. Doch hat man sich hierüber um so viel weniger zu beklagen, da dasselbe so ausgedehnt ist, daß ich wirklich nicht weiß, ob sich unter allen Sterblichen ein einziger finden lasse, der immer weise ist, und sich von aller und jeder Art des Wahnsinns frey befindet.

Nur ist hiebey dieses zu bemerken: Wer einen Kürbiß sieht, und ihn für ein Frauenzimmer hält, wird wahnsinnig genennt; und zwar darum, weil nur wenige in diesen Zustand gerathen. Wenn aber jemand schwört, seine Frau, die er mit vielen gemein hat, sey keuscher als Penelope, und sich hierüber, in seinem glücklichen Irrthume, was rechtes zu gute thut, so muß niemand ihn wahnsinnig nennen. Warum? weil man ja sieht, daß dieses das gemeine Schicksal der guten Männer ist.

In die gleiche Classe gehören die, welche alles verachten, das nicht Jagd ist; und behaupten, sie empfinden in sich eine unbeschreibliche Wollust, so oft sie das heulende Gebrülle der Hörner und Hunde hören. Haben sie nicht etwann auch ihre Geruchskräfte so verfeinert, daß es ihnen deucht, der Hundsstall sey mit Zibeth durchduftet. Welches süsse Vergnügen, wenn es um die Zerreissung des Wildes zu thun ist! Bey Ochsen, Hämmeln, überläßt man diese Arbeit dem niedern Pöbel; hier darf nur der Junker Hand anlegen; mit entblößtem Haupte, gebogenen Knien, dem dazu gewiedmeten Waidemesser (sich hier eines gemeinen bedienen, würde strafwürdiges Verbrechen seyn) mit gewissen Geberden, trennt er gewisse Glieder, in einer gewissen Ordnung, religionsmäßig ab. Die umherstehende Gesellschaft, tief stillschweigend, verwundert sich inzwischen darüber, wie über etwas ganz neues, ob sie gleich solchem Schauspiele mehr als tausendmal beywohnte. Wer das Glück hat, etwas von dem Thiere zu kosten, der glaubt, daß er dadurch im Adel eine Stuffe höher gestiegen sey. Und doch gewinnen sie durch das geflissene Verfolgen des Wildes, und das Essen von demselben, anders nichts, als daß sie, ein königliches Leben zu führen vermögend, bald selbst in wilde Thiere ausarten.

Mit diesen haben jene viel ähnliches, die, durch unersättliche Bausucht hingerissen, das Runde viereckig, und das Viereckige rund machen. Sie wissen weder von Ziel noch Maaß, bis sie in die tiefe Armuth versunken, weder ein Haus noch etwas zu beissen, und brechen haben. Und bleibt ihnen denn gar nichts übrig? O ja; das Angedenken, daß sie einige Jahre in grosser Wollust verträumt haben.

Diesen kommen, meiner Einsicht nach, jene sehr nahe, die sich unterfangen, durch neue und geheime Künste, die Natur der Dinge zu ändern, und zu Wasser und Land ich weiß nicht was für einer fünften Kraft nachjagen. Diese weiden sich so königlich mit der süssen Hoffnung: daß sie weder Mühe noch Unkosten bereuen; mit wunderbarem Scharfsinn ergrübeln sie sich immer etwas neues, um sich zu täuschen und sanft einzuwiegen, bis sie von allem so entblöst sind, daß sie ihren Tigel kalt und leer müssen stehen lassen. Doch setzen sie ihre schmeichelnden Träume fort, und muntern Andere so viel möglich zu einer gleichen Wonne auf. Wenn sie endlich von aller und jeder Hoffnung verlassen sind, so schöpfen sie aus dem Sprüchgen „nach grossen Dingen gestrebt zu haben, ist Ruhms genug“ einen unvergleichlichen Trost. Und dann schmählen sie erbaulich auf die Kürze des Lebens, die so grosse Unternehmungen neidisch vereitle.

Noch steh ich im Zweifel, ob ich die Spieler für meine Zunftgenossen erkennen solle. Doch ists närrisch und lächerlich genug, zu sehen, wie Einigen, so oft sie die Würfel fallen hören, das Herz im Leibe hüpft und bebt. Wenn sie, durch die Hoffnung auf Sieg stets genarret, an der Spielklippe (kaum haben ehedem an dem lakonischen Vorgebürge Malea so viele gestrandet) Schiffbruch gelitten haben, und kümmerlich mit der Haut entronnen sind, so betrügen sie ehender sonst jedermann, als den Sieger, um ja Bidermänner zu bleiben. Was ist von jenen halbblinden Grauschädeln zu sagen, die zum Spielen ihre Augen mit Gläsern bewaffnen müssen? Von denen, welchen das gerechtigkeitliebende Chiragra die Finger gelähmt hat, die Andre bestellen, in ihrem Namen die Würfel zu werfen? Ein feiner Gespaß wär es freilich, wenn nur dieses Spiel sich nicht oft in Wuth verwandelte, und dann eine Sache für die Furien würde, nicht für mich.