Ich werde die Droschke nehmen, sagte der Assessor. Adieu, Berkenfeld. Und was ich sagen wollte, Berkenfeld: geben Sie die kleine Roland auf; Sie blamieren sich, Mann, und Roland ist nicht der gutmütige, einfältige Tropf, für den wir ihn anfänglich in unserm blasierten Hochmut hielten. Ich sage Ihnen, Berkenfeld: ich habe heute Abend alle Achtung vor dem Roland bekommen.

Denken Sie etwa, ich nicht? rief der Leutnant; Emmy ist entzückend, rosa bella senza spine,15 göttlich; aber Sie haben Recht: lasciate ogni speranza voi ch'entrate.16

Und er deutete auf die Tür des Hauses, das sie soeben verlassen.

Es wird das auch wohl das Gescheiteste sein, sagte der Assessor, indem er in die Droschke stieg.

Der Leutnant blickte noch einmal wehmütig nach den Fenstern hinauf und murmelte, während er die Straße hinabging:

Beneidenswerter Mensch: Zweitausend jährlich, fünf Prozent vom Nettogewinn, Schwiegervater Millionär, das reizende Weib – und welch' horribel breite Schultern der Mann hat; aber ich will ihn nicht unglücklich machen.

Anmerkungen.

15 Eine schöne Rose ohne Dornen.16 Wenn Ihr eintretet, so lasset alle Hoffnung draußen.

Detlev von Liliencron:
Greggert Meinstorff.

Detlev von Liliencron wurde am 3. Juni 1844 in Kiel geboren und ist am 22. Juli 1909 zu Alt-Rahlstedt gestorben. Seine Knabenjahre gingen einsam dahin. Im Garten, im Feld und Holz umherzustreifen, sich dort seinen Träumereien zu überlassen, war seine Lust. Seiner Neigung folgend wurde er Soldat und kostete das fröhliche, schneidige Leutnantsleben mit »seinen Freuden, seinen Rosentagen, seinem scharfen Pflichtgefühl« in vollen Zügen. In drei Schlachten und in fünfzig Gefechten kämpfte er, und zweimal ward er verwundet. Nachdem er seinen Abschied genommen, wurde er später Hardesvogt auf der nordfriesischen Insel Pellworm. Hier ward ihm das Meer lieb und vertraut und gab ihm Stoff zu einer Fülle seiner schönsten Gedichte und Geschichten.