Die Novelle »Das Amulet« von Conrad Ferdinand Meyer ist mit freundlicher Erlaubnis der Erben des Verfassers und der Verlagsbuchhandlung abgedruckt aus dem 1. Bande von Conrad Ferdinand Meyers »Novellen« (Leipzig: H. Haessel, 24. Auflage 1902).

Für die Abdruckserlaubnis von »Archambauld« schulden wir Herrn Ernst von Wildenbruch Dank.

Die Spielhagensche Novelle »Breite Schultern« ist mit gütiger Erlaubnis des Verfassers und der Verlagsbuchhandlung abgedruckt aus Friedrich Spielhagens »Sämtlichen Romanen« Bd. 17 ( Quisisana, Erzählungen) (Leipzig: L. Staackmann, 1904).

»Greggert Meinstorff« von Detlev von Liliencron endlich ist mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers und der Verlagsbuchhandlung abgedruckt aus Detlev von Liliencrons »Sämtlichen Werken« Band 2 (Aus Marsch und Geest) (Berlin-Leipzig: Schuster & Löffler, 2. Auflage 1904).

Conrad Ferdinand Meyer:
Das Amulet.

Conrad Ferdinand Meyer wurde am 11. Oktober 1825 in Zürich geboren und starb in Kilchberg bei Zürich am 28. November 1898.

In der französischen Schweiz, im Juragebiet hat er einen großen Teil seiner Jugend verlebt, hat er wohl die frischesten und stärksten Eindrücke seiner Jugendzeit empfangen und ist er mit französischer Sprache und Literatur besonders vertraut geworden. Auch hat er 1857 eine Reise nach Paris gemacht, und nachdem ihm das Studium der Rechte, das er in Zürich betrieb, wenig Freude gemacht, hat er viele Jahre hindurch auf eigene Hand Geschichte studiert. Auf diesen Wegen hat er wohl auch das Material und die Anregung zu seiner herrlichen Novelle »Das Amulet« gefunden.

Die Kunstgesetzgeber verlangen von dem eigentlichen Epiker oder Erzähler, daß er objektiv verfahre, d. h., daß er niemals seine eigenen Gedanken und Gefühle in die Erzählung mische, sondern nur die Erlebnisse, Meinungen, Empfindungen und Handlungen seiner Gestalten darstelle. Ob diese Forderung immer berechtigt ist, soll hier nicht untersucht werden; es soll nur gesagt werden, daß Meyer sie in höchstem Maße erfüllt – in so hohem Maße, daß man zuweilen glauben könnte, er fühle überhaupt nicht mit seinen Gestalten, sondern stehe ihnen und ihren Schicksalen kalt gegenüber. So hat man denn auch wohl bei gewissen Novellen und Gedichten Meyers von »Marmorkälte« gesprochen. Vielleicht aber handelt es sich um ein Gefühl, das nur dem oberflächlichen Sinne nicht gleich bemerkbar wird, und aus vielen seiner Gedichte und Novellen, so auch aus dem »Amulet«, schlagen jedenfalls die Flammen des Mitgefühls hell und heiß genug heraus. Dazu aber zeigt der große Schweizer bei aller Kraft des Gefühls die männlich-ruhige Hand des Bildners; wenn man seine Novellen liest, sieht man unwillkürlich Bild um Bild – ja, oft wirkt eine ganze Novelle wie ein großes, einheitliches, in tiefen Farben leuchtendes Gemälde. Berühmt ist die Meyersche Kunst in der klaren und scharfen Charakteristik historischer Personen; so ist in der hier vorliegenden Novelle die kurze Schilderung Karls IX. während seines Besuches bei Coligny ein bewundernswertes Stück, und mit nicht geringerer Lebendigkeit treten der Herzog von Anjou, Katharina von Medici, Coligny, der berühmte Denker Michel Montaigne, der böhmische Fechtmeister, der liebenswürdig abergläubische Boccard und der Held der Novelle aus dem düstern Hintergrunde der Zeit hervor. Aber nicht nur im einzelnen waltet die Kunst des Dichters, auch die Gesamtstimmung: der Blutdunst und der meuchlerische Lärm der Bartholomäusnacht wie die unheilvolle Schwüle, die ihr voraufgeht, sind mit wunderbarer Sicherheit festgehalten. Der Leser, der die düster-prächtige Ballade Meyers »Die Füße im Feuer« kennt, wird bekannte Farben und Lichter wiederfinden.

O. E.

Das Amulet.