Der Schuster ging. Peter blieb nachdenklich zurück.

War ihm der Mann sympathisch oder unsympathisch? Seine höfliche Art, das ewige »Herr Lehrer« berührte den an die einfache Anrede »Scholmester« Gewöhnten fremdartig. Mit den vielen biblischen Redewendungen in seiner Sprechweise machte er ihm den Eindruck eines Menschen, der auf Stelzen geht, statt auf den eigenen gesunden Füßen. Aber trotzdem war in seiner Art und auch in seinem Gesicht etwas, was Peter zweifelhaft machte, ob er ihn kurzerhand als einen Frömmling und Pharisäer abtun dürfte. Er fühlte, daß dieser Mann gegen den Strom schwamm, daß er anders war, als die anderen. Solche nannten die Menschen dann gleich Pharisäer, was ja — so hatte er auf dem Seminar gelernt — »Abgesonderte« hieß. Auch er selbst hatte diesen Titel auf dem Seminar einmal bekommen, weil er ja auch mehr seine eigenen Wege ging.

Der Schuster hatte die feine, stille Art seines Kindes damit erklärt, daß sie den »Herrn Jesum recht lieb« habe. Das klang ja nun recht pietistisch und hatte Peter sehr fremdartig berührt, und die schiefe Kopfhaltung des Mannes bei diesen Worten erst recht. Aber, indem er jetzt darüber nachdachte, erschien die Sache selbst ihm doch gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Warum sollte nicht ein Kindesherz dem Menschensohn, wie sie ihn das letzte Jahr aus seinen Worten und Gleichnissen kennengelernt hatten, etwas wie Liebe entgegenbringen? Und warum sollte dieses freundliche, holde Bild nicht auf eine Kindesseele schließlich einwirken? — Auch er, der Lehrer selbst, hatte ja gegenüber dieser Gestalt, die in solchen Stunden vor ihnen stand, etwas empfunden. Liebe würde er es gerade nicht nennen. Eher Bewunderung, Ehrfurcht oder so ähnlich ... Aber vielleicht konnte man es auch Liebe nennen. Man mußte dieses Wort dann nur anders verstehen, als es gewöhnlich im Leben gebraucht wurde. Wenn der Schuster davon sprach, klang das etwas süßlich und weichlich. Das mußte heraus. Dann war eigentlich nicht so viel dagegen zu sagen.

Peter dachte plötzlich wieder daran, wie schändlich man diesem Kinde mitgespielt hatte. Da packte ihn ein großer Zorn, und er ging auf den Hof und schnitt sich ein paar tüchtige Eichenstöcke. Swiebertsbauer kam zufällig darauf zu und fragte: »Na, Scholmester, wat will he denn mit de Eken?«

»Tweislan[39] up den Puckel[40] van böse Buben,« sagte Peter grimmig.

»Scholmester, nehm he lewer Barken, de sünd daför wussen.«

»Barken, de dot't düttmal nicht. Dor möt de Eken ran.«

»Wer schall de Släg denn hewn?«

»Wer se verdeent hett.«

»De armen Jungs ...«