»Nein, aber warum denn?«

»Meine Tochter ist schwer krank.«

»Wer!? Marie? ...«

Der andere nickte: »Doppelseitige Lungenentzündung ... Bitte, gehe leise die Treppe hinauf, und verhalte dich oben ganz still. Sie liegt gerade unter dir. Wir haben ihr Bett in die Wohnstube gebracht.«

»Sie wird doch wieder gesund?« fragte Peter, und die helle Angst stand in seinem Gesicht.

»Wir hoffen es zu Gott,« sagte der Mann. »Heute abend ist die Krisis. Dann muß es besser werden ... oder ...« Er wandte sich und barg das Gesicht in der Hand.

Peter setzte den Fuß so leicht wie möglich auf die dritte Treppenstufe. Trotzdem knarrte das alte Holzwerk. Da zog er die Stiefel aus und schlich auf den Socken nach oben. In seiner Kammer angekommen, ließ er sich auf seinen Stuhl fallen, legte die schlaffen Arme lang auf den Tisch und starrte vor sich hin. Er wiederholte sich die eben gehörten Worte, und immer wieder aufs neue ... aber nur bis zu dem Oder. Davor prallte seine Seele wie vor einem schauerlichen Abgrund zurück.

Irgendein Geräusch traf sein Ohr. Da lauschte er gespannt, hörte nun aber nichts. Nur vor dem Fenster war ein Fliegengesumm. Er merkte, daß in seinem Zimmer noch die schwüle Gewitterluft der Mittagsstunden war, und öffnete das Fenster. Die Fliegen stürmten hinaus, und ein frischer, würziger Luftzug strömte herein. Da atmete Peter einige Male tief auf.

Dann setzte er sich wieder hin und wagte nicht, sich zu rühren in der furchtbaren Stille, die um ihn war. Das Haus war wie ausgestorben.

So saß er lange, lange, und dachte an die vergangenen glücklichen Tage, vom Spaziergang am ersten Sonntag unter der Kirchzeit, über die gemeinsame Arbeit im Garten, bis zu der abendlichen Wanderung, dem goldenen Tore entgegen, und bis zum Abschied in der Küche. In diesem Kreise suchte er seine Gedanken festzuhalten, aber zuweilen gingen sie doch über die Bannlinie hinaus und kamen bis an das entsetzliche Oder, und flüchteten sich, von Grausen gepackt, wieder in die vergangenen Tage.