Pera, den 19. Mai 1915.

Euer Hochehrwürden Schreiben vom 5. d. M. und Ihr Telegramm vom 17. sind richtig in meine Hände gelangt.

Aus Ihrem Schreiben entnehme ich zu meiner Befriedigung, daß die dortige Lage vorläufig zu keinen begründeten Besorgnissen Anlaß gibt, und ich hoffe, daß es auch in Zukunft den besonnenen Elementen gelingen wird, ernstere Zwischenfälle zu vermeiden. Daß die Regierung mit Rücksicht auf die bedauerlichen Vorgänge in Wan besondere Vorsichtsmaßregeln ergreift, ist verständlich, ebenso, daß hierunter gelegentlich auch die friedliche Bevölkerung zu leiden hat. Immerhin werde ich bei sich bietender Gelegenheit auf Ihre Ausführungen aufmerksam machen, und bitte Sie, auch Ihrerseits Ihre Beziehungen zu den Behörden und zur Bevölkerung zu benutzen, um auf beide in beruhigendem Sinne einzuwirken. In dieser Beziehung möchte ich noch besonders erwähnen, daß trotz der in der jetzigen Zeit erklärlichen Aufregung und trotz mannigfacher Provokationen es bisher nirgends zu Massenausschreitungen, wie Massakres, Plünderungen u. dgl., gegen die Armenier gekommen ist.

Weitere Mitteilungen von Ihnen werde ich gerne und mit besonderem Interesse entgegennehmen.

von Wangenheim.

Herrn Pfarrer Johannes Ehmann, Hochehrwürden, Mamuret ul Aziz.

62.

Kaiserlich
Deutsche Botschaft.

Pera, den 19. Mai 1915.

Aus Anlaß der in Wan ausgebrochenen Unruhen hatte ich, wie bereits telegraphisch gemeldet, dem Pfarrer Spoerri in Wan direkt telegraphiert, um Auskunft über seine Lage zu erhalten. Da die Antwort ausblieb, wandte ich mich zu gleichem Zwecke an das Ministerium des Innern; letzteres teilt nunmehr folgende telegraphische Auskunft des Walis von Wan mit: