Berlin, den 29. November 1915.

Der Bericht des Herrn von Scheubner-Richter[104] vom 5. d. M. und andere hier vorliegende Nachrichten erwecken leider den Eindruck, daß die türkische Regierung allen unseren Vorstellungen und Warnungen zum Trotz an ihrer verhängnisvollen Politik gegenüber den Armeniern festhält. Abgesehen von Erwägungen allgemein humanitärer und politischer Natur, können wir es als aufrichtige Freunde der Türkei in deren eigenstem Interesse nur auf das tiefste beklagen, daß sie sich durch ihr Vorgehen in unbegreiflicher Kurzsichtigkeit eines für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes wichtigen Bevölkerungselementes beraubt. Im feindlichen und neutralen Ausland hört man nicht auf, uns für das Treiben der türkischen Behörden verantwortlich zu machen. Wie der Bericht des Herrn von Scheubner von neuem bestätigt, ist sogar in weiten Kreisen der türkischen Bevölkerung die Vorstellung verbreitet, daß Deutschland die Türkei zu den Armenier verfolgungen angestiftet habe. Wir glauben von der Loyalität der Pforte gegen ihren deutschen Bundesgenossen erwarten zu dürfen, daß sie derartigen Gerüchten mit Nachdruck entgegentritt.

Euer Exzellenz beehre ich mich zu bitten, im vorstehenden Sinn mit der dortigen Regierung zu sprechen und bei dieser Gelegenheit erneut der Erwartung Ausdruck zu geben, daß die Pforte unseren Ratschlägen in der Behandlung der armenischen Frage Folge geben wird.

von Jagow.

Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen Botschafter
Herrn Graf Wolff-Metternich, Pera.

206.

Deutsch-Armenische Gesellschaft.

Potsdam, den 29. November 1915.
Gr. Weinmeisterstraße 45.

Euer Exzellenz.

Bezugnehmend auf den in der Eingabe zugunsten der Armenier in der Türkei ausgesprochenen Wunsch, daß der Deportation der bisher verschonten armenischen Bevölkerung von Konstantinopel ein Riegel vorgeschoben werden möchte, beehre ich mich, die folgende mir von dem armenischen Komitee in Sofia zugegangene Mitteilung zur Kenntnis zu bringen:[105]