Kaiserlich
Deutsche Botschaft.

Pera, den 11. Februar 1916.

Euerer Exzellenz beehre ich mich Abschrift einer mir vom Abgeordneten Erzberger übergebenen Aufzeichnung vorzulegen über die Unterredungen, welche er mit Enver Pascha und Talaat Bey bezüglich der Armenierfrage und der christlichen Interessen in der Türkei gehabt hat. Ähnliche Zusagen haben die türkischen Minister auch mir bekanntlich wiederholt gegeben, ohne daß ich bisher eine Einlösung derselben wahrnehmen konnte. Ob der Schritt des Herrn Erzberger nachhaltiger wirken wird, erscheint mir vorerst recht zweifelhaft.

Metternich.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler
Herrn von Bethmann Hollweg.

Anlage.

Unterredung des Abgeordneten Erzberger am 10. Februar 1916 betreffend
Armenierfrage und Christenfrage im Orient.

1. Mit Enver Pascha, der zusagte, daß keine weiteren Maßnahmen gegen die Armenier erfolgen werden. Die vertriebenen Armenier werden in geschlossenen Ortschaften angesiedelt. Religionsfreiheit werde garantiert.

2. Mit Talaat Bey, Minister des Innern, der als Kriegsziel die volle Unabhängigkeit der Türkei bezeichnete, Deutschland möge sich über alle Fragen mit der Türkei verständigen, auch über den Ersatz der Kapitulationen. Dann lasse sich alles regeln. Die Öffnung der armenischen Kirchen werde erfolgen. Die Ansiedelung der vertriebenen Armenier in geschlossenen Dörfern geschehe in der Weise, daß ihnen mindestens dieselbe Fläche an anbaufähigem Land zugewiesen werde, die sie vorher besessen haben.

Erzberger.