Die unerhörten Greueltaten und Mißhandlungen des Kaimakams von Zeitun, Hüssein Hüssni, des Feldwebels Suleiman Bey, des Müfti und der Regierungsbeamten, die nur das Ansehen der Regierung in Mißkredit brachten, hatten nur den Zweck, das friedliche Volk zum Äußersten zu treiben, um der Regierung Anlaß zur Vernichtung zu bieten. Trotz alledem erträgt das Volk alles und versucht hie und da Klagerufe vernehmen zu lassen. Es bittet umsonst um die Entsendung von loyalen unparteiischen Inspektoren. Niemand schenkt dem armen Volk Gehör, und dieser Zustand dauert fort.

Die Frauen versuchten ihre herzzerreißende Lage durch ein Telegramm der Walidé Sultan (der Kaiserin-Mutter) zu schildern, um Gnade zu erhalten. Weil dies ihnen seitens der Regierung verweigert wurde, glaubten sie, daß der Gemeindevorsteher die Schuld daran trüge und demonstrierten.

Einige Deserteure, die sich ins Gebirge geflüchtet hatten, versuchten die Bevölkerung zum gemeinsamen Widerstände zu bewegen. Es wurde ihnen aber von dem friedlichen Volke keine Folge geleistet.

Im Februar beabsichtigte die Regierung die in der Stadt Zeitun lagernden Waffen und Munition nach Marasch zu transportieren. Die Deserteure vernahmen dies Vorhaben und wollten alles in Besitz nehmen. Aber durch das mißbilligende Auftreten der armenischen Notabeln gelang es ihnen nicht, und ihr Vorhaben scheiterte. Am 15./28. Februar wurde diese Absicht der Deserteure festgestellt und am nächsten Tag nach einer einstimmigen Beschlußfassung der Regierung durch den Gemeindevorsteher und den Bürgermeister amtlich mitgeteilt. Die Regierung hatte schon durch die Geheimpolizei von allen Vorgängen Kenntnis gewonnen.

Inzwischen flüchteten sich einige ins Weite, die den barbarischen Greueltaten Haidar Beys ausgesetzt und Augenzeuge des gräßlichen Todes des gefangen genommenen Nazareth Nor Aschkharian gewesen waren. Sechzehn Gendarmen, die für die Festnahme der Deserteure geschickt waren, kehrten zurück, die dann in den umliegenden Ortschaften neue Greueltaten verübten. Die Gendarmen begegneten während der Rückfahrt den Deserteuren. Nach dem Zusammenstoße flüchteten sich die Gendarmen nach Verlust von 6–8 Mann nach Zeitun zurück.

Die Regierung und die Gendarmerie, erzürnt über den Mißerfolg, verlangten von den Vorgesetzten der Gemeinde die Auslieferung der Deserteure. Die Vorstehenden gaben zu verstehen, daß die Forderung nicht durchführbar sei, nachdem die Bevölkerung ihre Waffen der Regierung abgeliefert habe und machtlos sei gegen die bewaffneten Deserteure.

Am 5./18. März versammelten sich die Notabeln, um die verheerenden Folgen dieser Spannung zu vermeiden. Die Deserteure drangen in die Stadt ein, um der Gendarmerie und der Regierung Herr zu werden. Während dieses Zusammenstoßes, wo die Armenier der Regierung Beistand leisteten, haben die Deserteure einen Verwundeten, aber die Bürger und die Gendarmen 9 Tote gehabt.

Der Mutessarrif von Marasch und der Gendarmeriekommandant eilten mit zwei Kompagnien nach Zeitun und forderten von der Stadt die Auslieferung der von den getöteten Gendarmen eroberten Gewehre. Nach einer Beratung begaben sich der katholische Gemeindevorsteher und der Stadtarzt nach dem Kloster, wohin die Deserteure sich geflüchtet hatten, um sie zur Ablieferung der Gewehre zu überreden, mit dem Versprechen des Kaimakams, ihre Begnadigung zu erwirken.

Anstatt dieses Versprechen zu halten und Friede herbeizuführen, machte der Kaimakam die folgende Deklaration: „Dies ist das 35. Mal, daß die Bewohner von Zeitun sich empören. Die bisherigen Unruhen waren nicht so gefährlich wie jetzt. Die früheren waren wie Familienstreitigkeiten. Jetzt ist das Land von allen Seiten bedroht und jeder muß der Regierung beistehen.“ Diese Forderung ist an und für sich gerecht, aber sie gilt nicht für die Bewohner von Zeitun, weil diese sich niemals empört haben. Möglich ist, daß sie sich gegen die Irregulären gewehrt und die Überfälle derselben abgewiesen haben. Auch damals hat die Regierung, unter dem Vorwand, den Aufstand niederzuringen, Truppen entsandt. Auch diesmal hat die ungerechte Handlung der böswilligen Regierungsbeamten die jetzige traurige Situation herbeigeführt.

Der Mutessarrif von Marasch und der Kaimakam von Zeitun haben nicht einmal ihr Ehrenwort gehalten, welches sie für die Schonung des Volkes gegeben hatten. In 8–10 Tagen hat man mit einer militärischen Kraft von 4000 Mann und einem rücksichtslosen Kommandanten die Bewohner einschüchtern wollen. An demselben Tage begaben sich auch einige Notabeln aus Marasch nach Zeitun, um die Deserteure zur Ergebenheit zu überreden. Nach einer gemeinsamen Beratung wandten sich die Armenier an den Kommandanten mit dem Ersuchen, die Deserteure, weil sie sich nicht ergeben wollten, durch Gewalt niederzuringen. Der Kommandant verlangte wieder von dem Volke die bedingungslose Auslieferung und Übergabe der Deserteure.