Die Kämpfe in Wan zwischen den Truppen und Armeniern dauern an. Auf türkischer Seite wurden in den letzten Tagen ungefähr 200 Tote und doppelt so viel Verwundete gezählt. Hier wurden gegen 200 Verhaftungen vorgenommen. Die Furcht vor einem Massaker dauert an. Der Wali glaubt im Besitz von Beweisen für eine Konspiration eines Teiles der hiesigen Armenier zu sein. Die Entscheidung dürfte in den nächsten Tagen fallen. Ich glaube, daß es hier möglich sein wird, Massakres zu vermeiden.

Scheubner.

42.

(Deutsches Waisenhaus.)

Mamuret-ul-Aziz, den 5. Mai 1915.

Ew. Exzellenz!

Da in diesem Wilajet kein deutscher Konsul ist, ersuche ich Ew. Exzellenz um Entschuldigung, wenn ich mir erlaube, über die hiesigen innerpolitischen Verhältnisse kurz zu berichten.

Seit einigen Tagen werden in den christlichen Häusern der Stadt und Umgegend strenge Haussuchungen gehalten, der Regierung verdächtig erscheinende Personen verhaftet und die Leute zur Ablieferung ihrer Waffen aufgefordert.

Diese Maßnahmen der Regierung scheinen im Zusammenhang mit Vorgängen in Wan und Diarbekr zu stehen und auf Anweisung der Zentralregierung angeordnet worden zu sein.

Die gesamte christliche Bevölkerung ist dadurch in große Unruhe versetzt worden und befürchtet das schlimmste.