Sie lachte leise in sich hinein. »Ich wünsche gar nichts, Franz, als Ihnen und Suse guten Tag zu sagen.«
»Ich wünsche gar nichts, Franz, als Ihnen und Suse guten Tag zu sagen.« (S. 35.)
Im Nu flogen Brot, Käse und Messer hinter das Treppengeländer. Der Mann war nicht groß. Er war kleiner als das junge Mädchen — er sah sprachlos in das blühende Gesicht, das er zum letztenmal gesehen, wie es, noch nicht einmal in der Höhe seiner breiten Schultern, auf einem schmächtigen Kindeskörper gesessen; sie hatte »das Müllermäuschen« geheißen und war ihm in der Mühle und auf dem Kornboden, in der That quecksilbern wie eine Maus, auf Schritt und Tritt nachgehuscht — und jetzt war sie die Herrin hier und er, der ehemalige Obermüller, ihr Pächter. »Kurios,« sagte er, in unbeholfener Verlegenheit den Kopf schüttelnd, »die Grübchen in den Backen und die Augen sind's noch, aber, aber das unmenschliche Wachstum!« Er ließ seine Augen scheu und ungläubig messend an der hohen Gestalt emporgleiten. »Na ja, da hat eben der Trieb von der Sommers-Großmutter her dahinter gesteckt; die war auch so wie Milch und Blut und — wollt ihr wohl still sein, ihr Racker!« unterbrach er sich scheltend und drohte mit der Faust nach den unaufhörlich bellenden Hunden. »Die Schlingel kennen Sie wirklich noch, gnädiges Fräulein —«
»Besser als Sie; das ‚unmenschliche Wachstum‘ hat sie nicht irre gemacht,« versetzte sie zu den Hunden tretend und die hoch an ihr aufspringenden Tiere schmeichelnd. »Sie titulieren mich ja wunderlich, Franz. Ich bin nicht avanciert in Dresden, das kann ich Ihnen versichern.«
»Aber die Fräuleins drüben in der Villa lassen sich ja auch so benennen,« sagte er mit steifem Nacken und starrköpfig.
»Ah so!«
»Und Sie sind doch zehnmal mehr. So jung und schon so reich, so unmenschlich reich! Die Mühle da, die schönste weit und breit — Sapperment, das will was heißen! Herrje — nur ein Mädchen, und kaum achtzehn Jahre alt, und das Kommando über eine solche Mühle!«
Sie lachte. »Das steht mir allerdings zu, und ich will Ihnen das Leben schon sauer machen, alter Franz ... Wo steckt denn Suse?«
»Die hat Stubenarrest, hat's wieder einmal in der rechten Seite, das arme alte Frauenzimmer. Die Hausmittel wollen nicht mehr recht verfangen. Doktor Bruck ist eben bei ihr.«