Sie mußte lachen. »Gut denn — wie du befiehlst!« erklärte sie. »Ich trete zurück, und damit bricht für den armen Lenz eine bessere Zeit an; er soll die Mühle pachtweise bekommen — sie wird ihm rasch wieder zu blühendem Wohlstande verhelfen.«

Nun wurde auch die Schloßmühlenstube geschlossen und Käthe schritt an Brucks Arm den Fußweg entlang, den sie oft im Sturm und Unwetter zurückgelegt hatte. Heute war es himmlisch, unter den überhängenden, knospenden Zweigen hinzugehen. Die Blütenkätzchen der Weiden strichen schmeichelnd über die glühenden Wangen des Mädchens; ein weiches Abendlüftchen flog auf, und die Flußwellen zogen gesänftigt und leise plätschernd an den jungen, zitternden Ufergräsern vorüber. Drüben dehnte sich der Park hin, vornehm still wie immer; man sah die Schwäne auf dem Teichspiegel langsam kreisen, und hoch über den Wipfeln der Parkbäume flatterte eine blaugelbe Fahne auf der Villa — »die Herrschaft« war zu Hause.

Was alles flutete bei diesem Anblicke durch die zwei Menschenseelen, die sich eben Treue geschworen hatten für die Zeit und Ewigkeit!

»Weißt du auch, daß man Moritz in Amerika gesehen haben will?« flüsterte der Doktor.

Sie nickte. »Vor einigen Tagen wurden der Witwe Franz anonym fünfhundert Thaler aus Kalifornien zugeschickt — sie zerbricht sich den Kopf über den Wohlthäter, ich aber kenne ihn.« Und sie erzählte, wie »der Arbeiter mit dem blonden Vollbarte« die Rehe vor sich hergejagt hatte, um — sie vor einem grauenhaften Tode zu bewahren, weil sie in glücklichen Zeiten seine Lieblinge gewesen ....

Nun lag es vor ihnen, das liebe, alte Haus, von der Abenddämmerung umsponnen. Die Arbeiter hatten den Garten verlassen. Es war so feierlich still — die weißen Götterbilder dämmerten aus den Taxushecken, und die alte Frau kam lautlos, mit ausgebreiteten Armen die Thürstufen herab, um »die Liebste, Beste«, die sie so lange vom Himmel für ihren Liebling erfleht, an das mütterliche Herz zu ziehen ....

Da zitterte tief und voll der erste Glockenton von der Stadt herüber — das Fest wurde eingeläutet — Ostern!

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