Abb. 88. Spannungsgefälle in zwei verschiedenen Widerständen.

Abb. 89. Wheatstonesche Brücke.

Wir spannen nun einen homogenen, an allen Stellen gleichstarken Draht gerade aus, wie ab in [Abb. 89], und betrachten ihn als einen Zweig unserer Doppelleitung, die vom Element E gespeist wird; den anderen Zweig stellen wir zusammen aus einem unbekannten Widerstande X und einem bekannten V (Vergleichswiderstand). In die Brücke αβ schalten wir unseren Multiplikator G. Wenn es nicht der Zufall gerade gewollt hat, so ist jetzt die Spannung bei α nicht gleich der bei β, weshalb uns der Multiplikator einen Strom anzeigen wird. Verschieben wir nun das Drahtende bei β nach rechts oder links, so werden wir leicht die Stelle finden, die mit α auf gleicher Spannung ist, was wir daran erkennen, daß der Multiplikator keinen Strom mehr anzeigt. Daß der ausgespannte Draht ab dem Nickelindraht (a) unserer Meßbrücke (Seite 100) und das Drahtende β dem Schieber (c) gleichkommt, braucht nicht näher erwähnt zu werden. Da auf unserer Meßbrücke ein Maßstab angebracht ist, so können wir leicht das Verhältnis aβ : βb ablesen; wir wissen aber auch, daß dies gleich aα : αb ist. Nehmen wir an, daß der Schieber unserer Brücke, die in 100 Teile (Zentimeter) geteilt ist, bei 75 steht, ferner daß unser bekannter Widerstand 10 Ohm habe, so können wir folgende Proportion aufstellen: 75 : 25 = X : 10; daraus ergibt sich X = 30 Ohm.

Wollen wir genaue Messungen machen, so müssen wir zu den Verbindungen der einzelnen Apparate möglichst kurze und dicke Drähte verwenden, damit wir ihre Widerstände vernachlässigen können, ohne dabei einen merkbaren Fehler zu begehen.

Will man Widerstände bei Anwendung von Wechselströmen (siehe vierter Vortrag) messen, so können zur Bestimmung der Stromlosigkeit der Brücke unsere bisher gebrauchten Apparate nicht verwendet werden. Man bedient sich in diesem Falle des Telephons (siehe [Anhang]). Wird dieses von einem Wechselstrom durchflossen, so gerät durch den Wechsel der Magnetpole die Membrane in Schwingung und gibt einen Ton von sich; ist es tonlos, so ist es auch stromlos. Hat man kein Telephon zur Verfügung, so genügt es, einen einfachen kleinen Elektromagneten mit möglichst vielen Windungen eines dünnen Drahtes in einem Kästchen einer Membran gegenüber zu bringen, wie das auch bei dem im Anhang beschriebenen Telephon gemacht ist.

[2] Schwefelsäure zersetzt sehr rasch jede organische Substanz, weshalb man seine Hände und Kleider vorsichtig vor ihr schützen soll. Verdünnte Schwefelsäure wirkt nicht so rasch, doch hat man damit sich oder seine Kleider begossen, so unterlasse man es nicht, sofort mit Ammoniak (Salmiakgeist) die betreffenden Stellen abzuwaschen.

[3] Das Schmelzen dieser sehr leicht entzündbaren Stoffe darf nie auf dem offenen Feuer geschehen. Zwischen Schmelzgefäß und Flamme soll sich immer ein großes Stück Eisenblech oder ein Stück starken Drahtstramines befinden.

[4] Man kann sich für diese Versuche auch des Vertikalgalvanoskopes (Abb. 66) bedienen, dessen Empfindlichkeit man durch Entfernen des Regulierschiebers an der Nadel herabgemindert hat.