Der Kurzschluss.

Um das Wesen des berüchtigten Kurzschlusses zu erklären, hatte Rudi für den Vortrag eine kleine Spielerei hergerichtet. Er klebte sich aus Packpapier ein kleines Häuschen und malte Fenster, Türen u. s. w. auf. An beiden Giebeln ließ er zwei weiße Isolierknöpfe sehen. Rechts und links vom Hause, den Giebeln gegenüber stellte er je eine Telegraphenstange auf. Von den Isolierknöpfen am linken Giebel des Hauses führten zwei starke Kupferdrähte über die Telegraphenstange nach der Akkumulatorenbatterie. Diese Leitungen setzte er mit zwei dünnen Eisendrähten durch das Haus hindurch über die Isolierknöpfe am rechten Giebel bis zu der zweiten Telegraphenstange fort, an welcher eine Leiter lehnte, auf der ein aus Papier geschnittener Arbeiter stand. Der Arbeiter schien an einer Glühlampe zu arbeiten, die an die beiden Eisendrähte angeschlossen war und glühte. In dem Papierhaus legte Rudi auf die Leitung leicht zusammengeballtes mit wenig Tropfen Petroleum beträufeltes Seidenpapier.

Er erklärte, daß hier von einer starken Stromquelle in einer durch das Haus führenden Leitung der Glühlampe Elektrizität zugeführt werde. Die Glühlampe biete dem Strom einen sehr großen Widerstand, so daß er eine gewisse Stärke nicht überschreiten könne. Wenn nun aber der an der Leitung arbeitende Mann aus Unachtsamkeit ein Werkzeug, z. B. eine Zange fallen ließe, und sie würde so auf die beiden Leitungsdrähte zu liegen kommen, „wie dieses Stückchen Draht hier“ — dabei legte er ein Stückchen Kupferdraht auf die beiden Eisendrähte —, so würde auch im großen das gleiche Ereignis eintreten wie hier im kleinen. Kaum hatte er das Kupferdrahtstückchen auf die Leitung gelegt, als diese anfing glühend zu werden und durchschmolz; einen Augenblick später stand das Haus in Flammen. Dadurch, daß der Strom, statt den schwierigen Weg durch die Glühlampe nehmen zu müssen, durch das Drahtstückchen kurz geschlossen — daher das Wort „Kurzschluß“ — war, wurde er so stark, daß die Leitungsdrähte zu glühen anfingen und das auf ihnen liegende Papier im Hause entzündeten. In Wirklichkeit liegt zwar kein Seidenpapier auf den Leitungsdrähten, diese sind aber meist mit leicht entzündlichen, sehr stark brennenden Materialien wie Pech, Wachs, Guttapercha u. s. w. isoliert.

Die Sicherungen.

Mit obigem Versuch kann man gleichzeitig auch noch einen zweiten verbinden, der zeigt, in welcher Weise die Sicherungen wirken. Zu diesem Zweck unterbrechen wir den einen der Zuleitungsdrähte zu dem Häuschen und überbrücken die Unterbrechung mit einem dünnen Streifchen von Stanniolpapier, das so viel Strom durchläßt, daß das Lämpchen noch hell leuchtet, aber doch so dünn ist, daß es sofort schmilzt, wenn die Leitung kurz geschlossen wird. Wir machen den Versuch dann zuerst mit der Sicherung, die so rasch durchschmilzt, daß der Strom unterbrochen wird, bevor der dünne Eisendraht im Häuschen zum Glühen kommen kann. Darauf verbinden wir die unterbrochene Stelle direkt und stellen den Kurzschluß noch einmal her, wobei nun wie vorhin das Haus in Flammen aufgehen wird.

Abb. 130. Drahtschnecke für den Zigarrenanzünder.

Der elektrische Zigarrenanzünder.

Rudi erwähnte nun noch die Verwendung der Elektrizität zu Heizzwecken, doch konnte er dazu keine Apparate oder Experimente vorführen, obgleich ein hierher gehöriger Apparat, zu dessen Betrieb nur ein paar kleine Akkumulatorenzellen nötig sind, nicht schwer herzustellen ist. Es ist der elektrische Zigarrenanzünder. Wir stellen durch einige Versuche fest, wie stark ein etwa 7 bis 10 cm langer Eisendraht sein muß, damit er von dem ungeschwächten Strome unserer Akkumulatorenbatterie bis zur Weißglut erhitzt wird, ohne aber durchzuschmelzen. Der Draht wird zu einer Schnecke zusammengebogen, wie [Abb. 130] zeigt. Dann besorgen wir uns — bei einem Mechaniker wird das zu haben sein — ein kleines Stückchen Asbestpappe, von der wir ein rundes Scheibchen abschneiden, das so groß ist, daß es unsere Drahtschnecke reichlich überdeckt. Ein zweites Scheibchen von derselben Größe muß durch Spalten möglichst dünn gemacht werden. Nunmehr richten wir uns einen runden Holzstab her von etwa 10 cm Länge und mit einem Durchmesser, der dem der Asbestscheibchen gleich ist. Ferner brauchen wir noch einen mit mehreren Löchern versehenen Ring aus Messingblech, dessen äußerer Durchmesser ebenfalls gleich dem der Scheibchen und dessen innerer etwas größer als der der Drahtschnecke ist. Auf die eben abgefeilte Stirnseite des Holzstabes wird zuerst die dicke Asbestscheibe gelegt, dann die Drahtschnecke so, daß ihre Enden a und b ([Abb. 130]) rechts und links heraussehen, darauf kommt die dünne Asbestscheibe, und schließlich wird das Ganze durch Aufnageln des Messingringes zusammengehalten. Die freien Drahtenden löten wir an zwei dicken isolierten Kupferdrähten an; diese führen wir in Rinnen, die in den Holzstab geschnitten werden, nach dessen unterem Ende, wo sie an zwei Klemmschrauben enden. Den einen dieser Drähte können wir auch durch eine Kontaktfeder ersetzen, deren Befestigung aus der den ganzen Apparat darstellenden [Abb. 131] hervorgeht. Wird ein hinreichend starker Strom durch die Drahtschnecke geleitet, so fängt diese an zu glühen, und dadurch wird auch die dünne Asbestscheibe glühend, an welcher dann die Zigarre angezündet werden kann. — Für die Drahtschnecke Platindraht statt Eisendraht zu verwenden, ist, von dem hohen Preis des Platins abgesehen, natürlich weit vorteilhafter.