Horch! – da schwirrt es und singt und klingt! Und sieh' – da steckt der Pfeil in der schönen, weißen Mädchenbrust –

Das trotzige Mägdelein hat mit der Hand ans Herze gegriffen, ist glührot geworden, ist scheu davon geschlichen. Aus der Ferne tönt es:

»Nun frag' ich nach Liebe –  
Nun trag' ich's im Sinn!
Nun fühl' ich mein Herze! –
Es pocht so darin!«

Und Cupido lauscht, biegt sich vor und lächelt, blinkt mit den Schelmenaugen, hebt deutend das weiße Fingerchen, und spitzbübisch singt er ihr nach:

»Und daß Ihr's nur wißt, und daß Ihr's nur wißt:
Just hat sie der Liebste, der Liebste geküßt!« –

Gerade da kam ein Mann des Weges gegangen, der war ein Sonntagskind, der konnte schauen, was andern verborgen war – der hat den kleinen, herzigen Schlingel stehen sehen, wie er dem trotzigen Mägdelein nachgehöhnt hat. »So sollst du ewig sein!« sagte er.

Cupido aber ist ihm entgegengehüpft, denn der Mann war ein Künstler, und die Künstler stehen auf gar vertrautem Fuße mit all dem lustigen, alten Göttergesindel – er ist geduldig mit ihm gegangen und hat sich in marmorne Fesseln schlagen lassen. Und so steht er da in der ganzen Pracht seiner Schönheit, ein wenig nach vorn geneigt, das süße Schelmengesicht voll Sonnenschein, das Fingerchen erhoben und deutet auf euch, die er euch eben mitten ins Herz getroffen hat – und lachend klingt's von seinen Schelmenlippen:

»Und daß Ihr's nur wißt, und daß Ihr's nur wißt:
Nun wird die Liebste vom Liebsten geküßt!«

Psyche.