»Krah, krah!« krächzt ein großer, schwarzer Kolkrabe, »hier, nehmt mich! Strengorthodox, schwarz, düster, wie meine Religion.«

»Vielleicht alttestamentarisch?« fragt höflich ein Eidechslein, glitzernd von Gold, und dreht und windet sich immer wieder heran.

»Oder gar freisinnig?« klappert der Storch, spießt nach dem Eidechslein, kröpft sich und schlägt sehr stolz und freisinnig mit den Flügeln.

Vater Glaube und Mutter Sehnsucht schütteln die schönen Häupter und blicken ratlos um sich – doch sieh! Licht, Sonnenschein überall um sie her, flutet über Blumen und Vöglein und Tiere hin, und

»Ich,« spricht der Sonnenstrahl, »will die Liebe taufen. Ich dringe ihr ins Herz hinein, ich wohne in ihren Augen. In jedem Lächeln ihres Mundes zittere Sonnenschein, in jeder Bewegung ihrer Glieder herrsche Anmut, Freude, Wärme.« Und

»Wir,« klingen sanfte und wunderbar eindringliche Stimmen, »wir wollen Paten sein.« Zwei Frauengestalten neigen sich zu jeder Seite der Wiege, in der die Liebe schlummert, so schön, so überirdisch schön, daß Glaube und Sehnsucht demütig niederknieen. Die wissen nicht, ist es ein und dieselbe, die zwei Gestalten angenommen hat, oder sind es zwei hehre Frauen, die da niedergestiegen sind aus den Wolken, die Liebe zu segnen. Wunderbar ähnlich sind sich die Schwestern, nur trägt die eine langwallende Gewänder, und sie hält ein lieblich Kindlein fest an ihr Herz gedrückt, und mild und rein ist das Lächeln ihres Mundes. Unverhüllt glänzen der andern herrliche Glieder, süß berauschend wirkt ihre Nähe, und heiße Glut entströmt den Augen.

Die beugt sich nieder zur Blätterwiege und küßt das schlummernd Kindlein auf die unschuldigen Lippen, und spricht:

»Deinen Körper gib hin, o Liebe, und all deine Sinne und jede Fiber deines Herzens!«

Da legt die Erste segnend die Hand auf des Kindes Haupt:

»Deine Seele gib,« hauchte sie, »und Mutterliebe sei dein Glück!« –