[33] Wenn Carus den Reiz zur Bewegung damit erklärt, daß er den Hörnerv im kleinen Gehirn entspringen läßt, in dieses den Sitz des Willens verlegt und aus beiden die eigentümlichen Wirkungen der Gehörseindrücke auf Handlungen des Mutes u. a. ableitet, so ist das eine sehr unsichere Hypothese; denn nicht einmal die Abstammung des Gehörnervs aus dem kleinen Gehirn ist eine wissenschaftlich ausgemachte Tatsache.

Harleß (in R. Wagners Handwörterbuch der Physiologie, Artikel »Hören«) vindiziert der bloßen Wahrnehmung des Rhythmus, ohne allen Gehörseindruck, denselben Trieb zu Bewegungen wie der rhythmischen Musik.

[34] Helmholtz, Lehre von den Tonempfindungen. 2. Aufl. 1870. S. 319.

[35] Einer unserer geistvollsten Physiologen, Lotze, sagt in seiner »medizinischen Psychologie« (S. 237): »Die Betrachtungen der Melodien würde zu dem Geständnis führen, daß wir gar nichts über die Bedingungen wissen, unter denen ein Übergang der Nerven aus einer Form der Erregung in die andere eine physische Grundlage für die kraftvollen ästhetischen Gefühle bietet, die der Abwechslung der Töne folgen.« Ferner über den Eindruck von Lust und Unlust, den selbst ein einfacher Ton auf das Gefühl ausüben kann (S. 236): »Es ist uns völlig unmöglich, gerade für diese Eindrücke einfacher Empfindungen einen physiologischen Grund anzugeben, da uns die Richtung, in welcher sie die Nerventätigkeit verändern, zu unbekannt ist, als daß wir aus ihr die Größe der Begünstigung oder Störung, die sie erfährt, abzuleiten vermöchten.«

[36] Eine neue wertvolle Bestätigung dieser Ansicht enthält Du Bois-Reymonds Rede auf der Naturforscherversammlung in Leipzig 1872: »Über die Grenzen des Naturerkennens.«

[37] Köstlich sind die Belehrungen des Herrn geheimen Rats und Doktors der Philosophie v. Böcklin, welcher S. 34 seiner »Fragmente zur höheren Musik« (1811) unter anderem sagt: »Angenommen, der Komponist wollte einen Beleidigten darstellen, so muß in dieser Musik ganz ästhetische Wärme auf Wärme, Schlag auf Schlag, ein erhabener Gesang mit äußerster Lebhaftigkeit hervorspringen, die Mittelstimmen rasen und schaudervolle Stöße den erwartungsvollen Zuhörer schrecken.«

[38] Der verliebte Herzog in Shakespeares »Twelfth night« ist eine poetische Personifikation solchen Musikhörens. Er sagt:

»If music be the food of love, play on
— — — — — — — — — — — — —
O, it came o'er my ear like the sweet south,
That breathes upon a bank of violets,
Stealing and giving odour.«

Und später, im 2. Akt, ruft er:

»Give me some music. — —
Me thought it did relieve my passion much« etc.