Scherz.

Einen Morgengruß ihr früh zu bringen
Und mein Morgenbrot bei ihr zu holen,
Geh' ich sachte an des Mädchens Türe,
Öffne rasch: da steht mein schlankes Bäumchen
Vor dem Spiegel schon und wäscht sich emsig.
O wie lieblich träuft die weiße Stirne,
Träuft die Rosenwange Silbernässe,
Hangen aufgelöst die süßen Haare!
Locker spielen Tücher und Gewänder.
Aber wie sie zagt und scheucht und abwehrt!
Gleich, sogleich soll ich den Rückzug nehmen!
»Närrchen,« rief ich, »sei mir so kein Närrchen!
Das ist Brautrecht, ist Verlobtensitte.
Laß mich nur! ich will ja blind und lahm sein,
Will den Kopf und alle beiden Augen
In die Fülle deiner Locken stecken,
Will die Hände mit den Flechten binden.« –
»Nein, du gehst!« – »Im Winkel laß mich stehen,
Dir bescheidentlich den Rücken kehren!« –
»Ei, so mag's, damit ich Ruhe habe.«

Und ich stand gehorsam in der Ecke,
Lächerlich, wie ein gestrafter Junge,
Der die Lektion nicht wohl bestanden,
Muckste nicht und kühlte mir die Lippen
An der weißen Wand mit leisem Kusse
Eine volle, eine lange Stunde,
Ja, so wahr ich lebe. Doch wer etwa
Einen kleinen Zweifel möchte haben
(Was ich ihm just nicht verargen dürfte),
Nun der frage nur das Mädchen selber!
Die wird ihn – noch zierlicher belügen.


Septembermorgen.

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.


Verborgenheit.

Laß, o Welt, o laß mich sein!
Locket nicht mit Liebesgaben!
Laßt dies Herz alleine haben
Seine Wonne, seine Pein!