Nachdem er nun gegessen und getrunken, frug er nach seiner Schuldigkeit. „Zween Batzen!“ war die Antwort. Die legte der Seppe auf den Tisch. „Bekämt Ihr sechzehn Kreuzer ’naus,“ sagte der Wirt, zählte sie hin und steckte die zween Batzen ein, wie wenn es sich so in der ganzen Welt von selbst verstünde. Es war jedoch ein alter Brauch von der Frau Betha Zeiten her, den Reisenden auf solche Weise ihren Zehrpfennig zu reichen. Der Schuster lächelte, als wollt’ er fragen: „Wie ist das gemeint?“ — „Laßt’s gut sein, lieber Gesell!“ sprach Jörg Seysolff. „Kommt mit zu meinem Ehni! der sagt Euch schon mehr.“
Er führte ihn durch einen langen Gang an eine stille Tür, die tat er vor ihm auf. Da saß in einer säuberlichen Stube ein gar schöner Greis von achtzig Jahr in einem Sorgenstuhl beim Fenster. Die Sonne fiel eben ein wenig zwischen den Vorhänglein durch auf einen kleinen Tisch, so vor ihm stand, schneeweiß gedeckt, darauf nichts weiter denn ein blauer Topf mit Wasser und noch etwas in einem Tuche war. Der Alte aber war der kleine Hans, Frau Bethas Herzblatt gewesen. Er redete den Schuster in Gegenwart des Wirtes also an:
Hab’ Gott zum Gruß auf dieser Schwell’!
Obwohl das Glück dein Reis’gesell,
Ob solches mit dir in der Wiegen
Von Mutterleib aus kam zu liegen,
Ob du es in dem Gürtel hegest,
Ob du es in den Sohlen trägest.
Hierauf behändigte der Greis dem Seppe das Tüchlein und sprach: „Du magst es einmal, wenn du Meister bist und gründest deinen eignen Herd, deiner Liebsten verehren, am Heiratstag, dazu dir aller Segen werde.“
Was aber war im Tuch? Eine silberne Haube; man konnte nichts Schöneres sehen. Der Seppe wäre deckenhoch gesprungen, wenn sich’s geschickt hätte.