Stuagart ist a grauße Stadt,
Lauft a Gänsbach dura.
Der Seppe hatte einen Stiefelszorn, schwang öfter seinen Knotenstock gegen den Schwarm: sie schrien aber nur um desto ärger, und also macht’ er sich, so hurtig er nur konnte, aus dem Wespennest hinaus. Noch vor der letzten Hütte draußen hörte er ein Stimmlein verhallend im Wind:
Scherraschleifer, wetz, wetz, wetz!
Er hätte für sein Leben gern den Färber, welcher ihm den Possen spielte, dagehabt und ihm das Fell geruckt, wie er’s verdiente; der aber blieb im Ort zurück, wo er in Arbeit stand. Sonst war der Wicht in Büßingen daheim, wie er dem Seppe sagte.
Derselbe ließ sich den erlittenen Schimpf nicht allzulang’ anfechten, noch seinen Vorsatz dadurch beugen. Er machte seinen Trott so fort, und widerfuhr ihm diesen Tag nichts weiter von Bedeutung, als daß er etlichmal rechts ging, wo er links gesollt hätte, und hinwiederum links, wo es rechts gemeint war; das freilich nach dem Zeugnis aller Reis’beschreiber schon gar die Art nicht ist, um zeitig und mit wenig Kosten an einen Ort zu kommen.
Einstweilen langte es doch eben noch bis Urach, wo er zur Nachtherberge blieb. Am Morgen ging’s hinauf die hohe Steig auf das Gebirg, nicht ohne vieles Stöhnen, denn sein einer Schuh — er merkte es schon gestern — hatte ihm ein Hühneraug’ gedrückt, das machte ihm zu schaffen. Da wo die Steig am End ist, holte er zum Glück ein gutes Bäuerlein aus Suppingen auf einem Wagen mit etwas Schreinwerk ein, das hieß ihn ungebeten bei ihm aufsitzen.
Als sie nun eine Weile so, die große Ebene hinfahrend, beieinander saßen, fing der Bauer an: „Mit Vergunst, i muaß jetzt doch fürwitzig froga: Gelt, Ihr sind g’wiß a Drehar?“ — „Warum?“ — „Ei,“ sprach das Bäuerlein und sah auf des Gesellen Fuß, „do der Kamrad arbeit’t allfort, ma moint er müaß all’ mei’ vier Räder tretta!“
Der Seppe schämte sich ein wenig, im Herzen war er aber selig froh und dachte: Hat mir der Bauer da ein Licht aufstecken müssen! Auf einen Drehstuhl will’s mit dir hinaus und anderst nirgends hin!
Von nun an war der Schuster wie ein umgewend’ter Handschuh, ganz ein andrer Mensch, gesprächig, lustig, langte den Schnitzlaib heraus, gab ihn dem Bäuerlein bis auf den Anschnitt, sagend: „Lieber Mann, des bin ich froh, daß Ihr mir angesehen, daß ich ein Dreher bin!“ — „Ha,“ sprach der andere, „sell ist guat merka.“ — Der Alte kaute einen Bissen und machte ordentlich die Augen zu dabei, so gut schmeckte es ihm; das übrige hob er als Heimbringens auf für Weib und Kinder. Danach ward er redselig, erzählte dem Gesellen allerlei: vom Hanf- und Flachsbau auf der Alb; wie sie im Winter gut in ihren strohgedeckten Hütten säßen, ingleichen wie man solche Dächer mit besonderer Kunst verfertige. Auch wußte er ihm viel zu sagen von Blaubeuren, einem Städtlein und Kloster im Tal, zwischen mächtigen Felsen gelegen; da komme er hindurch und möge er sich ja den Blautopf auch beschauen, wie alle Fremde tun.