S. [54]. Ledder, statt Leder, sprechen alle gereisten Schuster in Schwaben. — Mille, Mil, Milch; ulmisch.

S. [55]. Lichtbraten, Lichtgans, ein Braten, welchen Handwerker, die im Winter auch des Nachts arbeiten, Schuster, Schneider, Weber u. dergl., ihren Gesellen beim Anfang des Winters zum besten geben. Bis zu Ende des 18. Jahrhunderts bestand in Ulm dieser Gebrauch in einem mit Musik, Trommeln und Pfeifen und bisweilen mit öffentlichen Aufzügen verbundenen Schmause.

S. [56]. Fürsche, vor sich, vorwärts.

S. [57]. Döte, männlicher, Dot, Dote, weiblicher Taufpate. — Wunderlecker, ein Wundersüchtiger (ohne Vorgang). — Einzecht, einzeln.

S. [58]. Wadelbir, eine Birnenart. „Mit manchen bieren“ (Hugo v. Trimberg). — Drudenfuß, von Drude, Trut, Unholdin; eine magische Figur, aus zwei zu einem Fünfeck verbundenen Triangeln bestehend. — Kandel, Rinne, Abzugskanal. Nachtschach, Räuber, Dieb; von Schach, Raub. — Aberschanz, das Hintere.

S. [59]. Weinschröter, Weingärtner.

S. [60]. Eine Stuterei. Gabelkhover (in seiner handschriftlichen Chronik vom Jahre 1621) will den Platz noch wissen, wo das alte Stutenhaus gestanden. „Zwanzig Schritt ohngefehrlich,“ sagt er, „von der jetzigen Stiftskirche gegen Mitternacht, da Paulus Sautter, Provisor, sitzt.“ Dieser Sautter saß aber, einer Hausurkunde zufolge, in dem ehemaligen Weinschenk Thumschen Haus, und nach einer bekannten Ueberlieferung wäre dies Haus das älteste der Stadt. — Zinselwerk, Gaukelwerk. „Celestinus hat den introitum mit anderm zinselwerk hin dar gesetzt“ (Spreter, Bericht von der alt. christl. Meß). — „On vnser verdienst, vergebenlich, nit durch ablas oder eygen zinselwerk“ (Spret, christl. Instruktion). — Dockenkasten, Puppentheater.

S. [61]. Kräben, Tragkorb. — Schauenlichkeit, Kontemplation, beschauliches Leben. „Nit minder vorhalt mich vor disen gesellen, die allein der Schawenlichkeit gleben (geleben) wend“ (Spreter, christl. Instr.). — Drönsgen, Intensivform von trehnsen, langsam etwas verrichten; entspricht dem Franz. trainer, ziehen, dem Engl. to train, to trone und to drowse, schlummern, schläfrig sein. — Heiltum, Reliquie. Der Pfarrer zu Leipheim, im Jahre 1500, bestrich die Leute für ein Opfer mit dem Heiltum St. Veits.

S. [63]. Marschloß, Maderschloß, Malschl. (Schweizerisch: Malle, Tasche; franz. malle), Vorlegschloß. — Die Eigel, der Blutigel; in den ältern Ausgaben der Lutherischen Bibel, Sprüche Sal. 30, 15.

S. [64]. Ringer, mit geringerer Mühe. — Schier, bald. — Werr, Erdkrebs, ein den Fruchtfeldern schädliches großes Insekt.