Es entsteht aber aus dieser zweiten Larvenform, indem die Haut sich abhebt, jedoch ohne zu bersten, innerhalb derselben, eine Art horniger Puppenform ohne alle Bewegungsorgane, welche Fabre[17] als Pseudochrysalide bezeichnet und die wie die Nymphe gar keine Nahrung zu sich nimmt und in Ruhe verharrt. Nach einiger Zeit hebt sich die Hornhaut abermals ab und es geht als dritte Larvenform eine wiederum weichhäutige, der zweiten Larvenform sehr ähnliche ebenso vom Bienenbrod sich nährende Larve hervor, die sich endlich in eine wirkliche Nymphe verwandelt, aus der der Käfer hervorgeht. Es macht also die Larve, ehe sie sich zur echten Nymphe verwandelt, vier Formen durch und zwar drei als Larve und eine als Pseudochrysalide. Diesen merkwürdigen Verwandlungsgang, der bis jetzt bei keinem anderen Insect, ausser dieser Käferfamilie beobachtet wurde[18], sah sich Fabre a. a. O. pag. 364. veranlasst, mit dem Namen Hypermetamorphosis zu benennen.

Geographische Verbreitung und Artenzahl. Die Familie ist in allen Welttheilen repräsentirt und besonders zahlreich in den wärmeren Gegenden. Europa zählt 103[19] verschiedene Arten mit vielen Varietäten. Auf Deutschland kommen aber nur 21 Species.[20]

Genus. Meloë Linné. Oelkäfer.

(Maiwurm.)

Linné, systema naturae. Tom. II. pag. 696.

Characteristik. Ziemlich grosse, dicke ungeflügelte mit verkürzten Flügeldecken versehenenversehene Käfer von dunkler, metallisch schillernder Farbe.

Der Kopf breiter als das Halsschild, dreieckig. Endglied der Kiefertaster eiförmig. Fühler elfgliedrig, schnurförmig, beim Männchen länger und oft durch ein grösseres Glied in der Mitte unregelmässig. Augen quer nierenförmig.

Das Halsschild klein, rundlich oder viereckig, nach hinten nicht verbreitert; Schildchen fehlend. Metathorax sehr kurz, Flügeldecken verkürzt, zuweilen jedoch so lang, oder auch etwas länger als der Hinterleib, abgerundet, vorn breit, an der Basis sich gegenseitig deckend, nach den Enden zu allmälig divergirend, grösstentheils runzelig. Flügel fehlend. Beine ziemlich kurz, stark, zusammengedrückt; Mittelhüften die hinteren bedeckend. Schienen gegen die Spitzen dreieckig erweitert; Klauenhälften gleich lang.

Hinterleib im Umriss länglich oval, oft wurmförmig, dick, weich aus sechs Ventralringen zusammengesetzt.

Die Larven der Meloë sind in ihrer Jugendform von mehreren Arten schon seit lange bekannt[21] und von manchen Naturforschern irrtthümlichirrthümlich als ein eignes Genus und gute Arten in das Thiersystem eingeführt worden.[22] Ihre weiteren Verwandlungsformen kennt man jedoch nur von Meloë cicatricosus, dessen Naturgeschichte vornehmlich Newport[23] und Fabre[24] monographisch abgehandelt haben. Die Primitivlarven sind, wie schon bei der Familie der Vesicantien überhaupt geschildert, von horniger Consistenz, langgestreckt, plattgedrückt, dreinzehnringeligdreizehnringelig, mit scharfen gebogenen Oberkiefern, dreigliedrigen, das Endglied mit einer langen Borste versehenen Fühlern, zwei Ocellen, weit ausgespreizten mit scharfen Krallen besetzten Beinen und vier langen vom Endsegment entspringenden Borsten. (Vergl. Taf. I. Fig. 1.)