Dr. Ahlefeld[38] war der Erste, der zwei Arten von Faulbrut unterschied. Er theilte sie in die sporadische und in die epidemische Faulbrut. Von Berlepsch[39] theilte sie ebenfalls in die nicht ansteckende und in die ansteckende Faulbrut, ferner letztere nach Dzierzon[40] in die gutartig ansteckende und in die bösartig ansteckende. Die nichtansteckende Faulbrut ist weiter nichts, als ein Erfrieren oder auch ein Verhungern der Brut. Es kann ebenso gut wie die Larve und Nymphe auch das Bienenei und auch das vollkommene Insect der Kälte unterliegen, wie auch die Larve und die Imago verhungern. Die erfrorene oder auch verhungerte Bienenbrut geht wohl mit der Zeit in Fäulniss über, aber die Zersetzung ist eine ganz andere, als wir sie bei der entschiedenen Faulbrut kennen lernen werden. Die Brut geht in keine schleimige Masse über, sondern behält ihre Structur bis zuletzt, wo sie einschrumpft und eintrocknet, bei. Bei den meisten Larven bildet sich auch wohl in manchen Fällen (bei feuchter Witterung) einige Tage nach dem Erfrieren im Fettkörper der Leibeshöhle ein starkes filziges Pilzgewebe, welches zuletzt die Epidermis durchbricht und eine Aehnlichkeit mit Botrytis Bassiana nicht verkennen lässt, was schon Prof. Leuckart beohachtetbeobachtet hat.[41] Nach dieser Periode wird die Larve oder auch Nymphe steinhart und trocknet bald darauf ein. Auf gleiche Weise verhält es sich auch mit den vor Hunger gestorbenen Bienenlarven. Noch viel häufiger als den eben erwähnten Pilz, trifft man an den abgestorbenen Bienenlarven und Bienennymphen eine Isaria-Art, und zwar wie es mir schien, Isaria floccosa Fries.

Diese Faulbrut beschränkt sich aber nur auf die abgestorbene Brut. Lebende Larven und Nymphen werden von ihr nicht inficirt. Es ist demnach diese Faulbrut gar nicht als eine Krankheit zu betrachten, weil die Fäulniss ein nothwendiger Process eines jeden todten organischen Körpers ist. Ganz anders verhält es sich mit der wirklichen Faulbrut, der epidemischen Faulbrut Ahlefeld's, Berlepsch's und Dzierzon's, der ich die Benennung Gangraena apum verleihen möchte. Hier geht die Zersetzung schon im lebenden Körper der Larve allmählich vor sich und erreicht ihren Höhepunkt nach dem Tode der Bienenlarve oder Bienennymphe und der Zersetzungsprocess pflanzt sich von der einen kranken Larve oder Nymphe auf die benachbarte fort.

Die entschiedene Faulbrut, die ich so eben mit Gangraena apum bezeichnet habe, ist folgendermaassen zu charakterisiren: Man findet im Anfange der Krankheit an irgend einer oder an einigen, oft an den vordersten, manchmal aber auch in den mittelsten bedeckelten Brutwaben einige 20 bis 50 zerstreut, manchmal in einer Gruppe beisammen stehende Brutzellen mit eingefallenen Deckeln. Untersucht man diese eingefallenen Brutdeckel genauer, so entdeckt man an ihnen schon mit dem blossen Auge ein in der Mitte, oder auch mehr an der Seite sich befindliches kleines rundes Loch, dessen Durchmesser kaum die Grösse von 0,5‴ ausmacht. Nimmt man den Deckel von der Zelle ab, so findet man die ausgewachsene, aber noch nicht in eine Nymphe verwandelte Bienenlarve meist, ja in der Regel, in verkehrter Stellung, d. h. mit dem Kopfende nach dem Boden der Zelle gerichtet, liegen, eine bräunliche Farbe angenommen. Zerquetscht man die Larve, so bemerkt man, dass sich ihr Inhalt in eine schleimige homogene Masse verwandelt hat, die den Geruch von faulendem Horn oder Leim besitzt. Nach Verlauf von 12 bis 24 oder erst nach 36 Stunden erkennt man an den Larven nichts mehr von ihrer Gestalt. Sie zerfliessen vollständig in eine schleimige, klebrige, homogene nach schlechtem Leim sehr stark riechende Masse, welche nach 5 bis 7, oft aber auch erst nach 10 Tagen sich zu einem trocknen dunkelbraunen Körper zusammenballt, welcher den unangenehmen Geruch fast verliert. Ehe die faulenden Bienenlarven aber in diese eingetrocknete Masse übergehen, ist schon die benachbarte gesunde im Umkreise der faulenden befindliche Brut ebenfalls in denselben sich zersetzenden Zustand übergegangen. Das Uebel greift nun zuletzt immer weiter, so dass schon häufig in einigen Tagen die Brut einer ganzen Tafel von 8 Zoll Höhe und 10 Zoll Länge von diesem ZerzetzungsprocessZersetzungsprocess befallen wird und schliesslich sich auch auf die übrigen Bruttafeln im ganzen Stocke ausdehnt. Hin und wieder gelangen die Larven in einigen Zellen zur Verwandlung in Nymphen und es kriechen auch aus denselben Bienen heraus; 95, mindestens aber 90 Procent unterliegen der Epidemie. Hat die Krankheit in einem Stocke ihren Culminationspunkt erreicht, d. h. ist der grösste Theil oder mindestens die Hälfte der Brut in Zersetzung übergegangen, so kann man schon in einer Entfernung von 20 Schritt vom kranken Stocke einen Leimgeruch wahrnehmen, als ob man sich in einer Leimsiederei befindet, die einen grossen Vorrath von in Fäulniss übergegangenen Hörnern und Hufen zu Leim verarbeitet.

Diese Pest erstreckt sich aber nicht blos auf den ursprünglich erkrankten Stock, sondern sie pflanzt sich auf den gesunden Nachbarstock herüber, so dass in einem Sommer alle Stöcke eines Bienenstandes an ihr zu Grunde gehen, weil fast sämmtliche nachgezogene Brut der Stöcke, sobald sie in's Stadium der Verwandlung zur Nymphe überzugehen anfängt, abstirbt und in die schon erwähnte Materie übergeht.

Ist die Krankheit auf einem Bienenstande ausgebrochen, so wird sie gewöhnlich von den Bienen selbst, welche sich bekanntlich sehr häufig gegenseitig berauben, auf die benachbarten Stände verschleppt, entweder durch die Bienen des kranken Standes, oder, was viel häufiger der Fall ist, durch die Bienen des gesunden Standes, weil diese, sich munter und kräftig fühlend, in die krankhaften abgeschwächten Stöcke mit der grössten Leichtigkeit behufs des Honigraubes eindringen und so aus den kranken Stöcken das Contagium zu sich hinüberschleppen. Auf diese Art können nicht nur die Bienenstände einer Stadt oder eines Dorfes inficirt werden und daher zu Grunde gehen, sondern es können die Stände eines ganzen Bezirks, ja eines ganzen Ländchens in kurzer Zeit gänzlich bienenleer werden.

Nicht immer nimmt aber die Krankheit einen so raschen ungünstigen Verlauf, wie ich ihn eben geschildert habe. In manchen Fällen geht das Absterben der Bienen nur langsam vor sich. Es geht nur ein Theil der Bienenlarven in den Zersetzungszustand über. Die übrigen bleiben gesund, verwandeln sich in Nymphen, so dass der Stock immerhin noch junges Volk erhält und sich oft zwei, ja sogar drei Sommer lang hält ehe er gänzlich eingeht. Im Herbst hört die Krankheit auf, da keine Brut vorhanden ist, sobald aber gegen das Frühjahr zu, Brut gezogen wird, stellt sie sich auch wieder mit dieser ein. In den seltensten Fällen verliert sie sich allmählich und der Stock bleibt gesund.

Das Benehmen der Bienen faulbrütiger Stöcke ist, je nach dem Grade der Krankheit verschieden. Im Anfange der Krankheit, d. h. wenn noch wenige Brut abgestorben ist, sind die Bienen ganz rüstig und munter und verrichten alle ihre Geschäfte, wie die eines völlig gesunden Stockes. Hat aber die Krankheit einen höheren Grad erreicht, ist schon ein ansehnlicher Theil der Brut verdorben und hat sich daher auch der mephitische Geruch eingefunden, so stellen die Bienen die meisten Arbeiten ziemlich ein. Es wird fast gar kein neuer Wachsbau aufgeführt, nach Tracht wird nur wenig ausgeflogen, ebenso wird wenig Brut angesetzt; die Bienen sind bemüht ununterbrochen Tag und Nacht hindurch zu ventiliren, um die verpestete Luft aus dem Stocke hinauszuwehen. Die Zellen mit der eingetrockneten Brutmasse werden nach Möglichkeit ganz herausgebissen, weil die Brutmasse anders nicht zu entfernen ist. Hat die Krankheit noch mehr überhand genommen, vielleicht sich über den halben Stock verbreitet, dann hören alle Arbeiten der Bienen, wenigstens innerhalb des Stockes gänzlich auf, Brut wird gar nicht mehr angesetzt, die Bienen beschränken sich auf denjenigen Raum ihres Baues, welcher keine Brut enthält. Erreicht die Faulbrut schon im Frühjahr oder Vorsommer einen solchen Zustand, dann geschieht es häufig, dass die Bienen aus ihrem Stocke ausschwärmen und eine neue Wohnung beziehen, wo sie sich von neuem ansiedeln.

Damit retten sie sich jedoch nicht; sobald nur Brut angesetzt wird, und die Bienenlarven sich einspinnen, bricht die Krankheit abermals aus.

Aus meiner Characteristik der epidemischen Faulbrut geht hervor, dass man zwei Formen dieser Krankheit zu unterscheiden hat, eine, die mit einer rasenden Schnelligkeit den Untergang eines Stockes hervorbringt und eine, die den Stock nur langsam zum Absterben bringt und in manchen Fällen dem Bienenstock nur schadet, aber ihn nicht vernichtet. Die erstere Form wäre also, wie sie Dzierzon[42] nennt, die bösartig ansteckende, die zweite die gutartig ansteckende Faulbrut. Die bösartig ansteckende Faulbrut, wie sie Dzierzon a. a. O. schildert, stimmt mit meiner Beobachtung und der oben angegebenen Characteristik überein, nur erwähnt Dzierzon a. a. O., ebenso auch Scholtiss[43] Nichts darüber, ob die verdeckelten abgestorbenen Bienenlarven in verkehrter Stellung sich in den Zellen befanden oder nicht. Kleine und v. Berlepsch[44] dagegen führen ausdrücklich an, dass alle Bienenlarven, welche faulbrütig waren mit dem Kopfende nach dem Boden der Zelle gerichtet lagen, also ganz so, wie ich es jetzt geschildert und schon früher beobachtet habe und in der Bienenzeitung, Jahrgang 1860 No. 1 beschrieb. Dzierzon's gutartig ansteckende Faulbrut weicht aber von meiner in sofern ab, als Dzierzon dieselbe meist nur an unbedeckelten Bienenlarven beobachtete, welche abstarben und in Fäulniss übergingen, während die bedeckelten Bienenlarven gesund blieben und sich zu vollkommenen Insekten entwickelten. Auch trockneten die in Fäulniss übergegangenen Larven zu einer Kruste am Boden zusammen, welche die Bienen leicht aus den Zellen entfernen konnten. Meine gutartig ansteckende Faulbrut dagegen unterscheidet sich von der bösartigen in Nichts weiter, als dass sie den Stock nur allmählich dem Untergange näher brachte und in manchen Fällen von selbst verschwand, ohne dass der Stock ausstarb. Es gingen grösstentheils nur die verdeckelten Bienenlarven in Fäulniss über und schrumpften nicht zu einer von den Bienen leicht zu entfernenden trocknen Masse zusammen, sondern die vertrocknete Masse haftete so stark an dem Zellenboden und den Wandungen der Zelle, dass die Bienen, wenn sie die Masse wegschaffen wollten, genöthigt waren, die ganze Zelle auszubeissen. Es wären also demnach drei Arten von Faulbrut zu unterscheiden (die nicht ansteckende lasse ich ganz weg, weil sie, wie ich gezeigt habe, gar keine Krankheit ist) eine bösartig ansteckende — um mich des Ausdrucks Dzierzon's zu bedienen — und zwei gutartig ansteckende Faulbrutarten.

Die von mir beobachtete gutartig ansteckende Faulbrut ist aber nur als eine mildere Form oder Modification der bösartig ansteckenden Faulbrut zu betrachten, weil sie bis auf die geringere Contagiösität, von der bösartigen Faulbrut sich in Nichts unterscheidet und wahrscheinlich nur durch den Mangel einer grösseren Disposition der Bienenlarven zur Aufnahme des Contagiums nicht in die bösartige Faulbrut ausartet. Daher halte ich es für passender die Faulbrut nicht nach dem Grade der Extensität, sondern nach dem Alter der Bienenlarven, welche von ihr befallen werden, und nach den Symptomen im weiteren Verlauf der Krankheit einzutheilen. Sodann würde man also eine Faulbrut haben 1) welche meist nur die verdeckelten, der Verwandlung zu Nymphen nahen, Bienenlarven heimsucht und sich rasch über den ganzen Stock verbreitet und ihn vollständig zu Grunde richtet. Und 2) eine Faulbrut, die meist nur die unverdeckelten Bienenlarven befällt, nur langsam sich im Stocke verbreitet und manchmal von selbst verschwindet, ohne den Stock zu vernichten. Ferner a) eine Modification der ersteren Faulbrut, die wie diese meist nur die verdeckelte der Verwandlung zur Nymphe nahe Brut vernichtet, sich aber nur langsam im Stocke verbreitet und manchmal von selbst wieder verschwindet, ohne dem Stocke den Untergang zu bereiten.