Fig. 518. Sambucus nigra. Blütenlängsschnitt. s Samenanlage, n Narbe. Nach TSCHIRCH-ÖSTERLE.

Fig. 519. Querschnitt von Fruchtknoten. A Lobelia. B Diapensia. C Rhododendron. D Passiflora. pl Plazenta, sa Samenanlagen. Nach LE MAOUT et DECAISNE.

Die Samen werden parietal genannt, wenn die Placenten der Wandinnenseite als flache Wülste entspringen ([Fig. 519] D). Tritt durch weiteres Eindringen der Karpellränder eine Fächerung des Fruchtknotens ein, so rücken die Placenten und ihre Samenanlagen gleichfalls nach innen vor; sie werden zentralwinkelständig, wie [Fig. 519] B zeigt. Nur die aus den Karpellrändern selbst gebildeten Scheidewände pflegt man als echte zu bezeichnen gegenüber den z. B. bei den Cruciferen vorhandenen falschen ([Fig. 701]), die aus Wucherungen der Fruchtblätter oder ihrer Nähte hervorgehen. Durch Beteiligung der Blütenachse, welche im Zentrum zwischen den Fruchtblättern emporwächst und sich von dem Karpellgewebe nicht scharf trennen läßt, kommt eine sog. Zentralplacenta zustande (z. B. Primulaceen). Die ursprünglich vorhandenen Scheidewände bleiben schon in früherem Alter im Wachstum zurück oder werden aufgelöst, so daß die mit dem Karpellgewebe emporgehobenen Samenanlagen an einer zentralen, von den Fruchtblättern überkleideten Achse sitzen, während die Außenteile der Fruchtblätter sie als einheitliche Wand umgeben.

Jedes einzelne Fruchtblatt im apokarpen Gynäceum setzt sich nach oben in einen stielartigen Griffel (Stylus) fort und endet in einer sehr verschieden gestalteten Narbe (Stigma), die als Empfängnisapparat dient und dementsprechend papillös, feucht und klebrig zu sein pflegt ([Fig. 520] D). In einem völlig synkarpen Fruchtknoten ist nur ein einheitlicher Griffel und eine Narbe vorhanden. [Fig. 520] stellt ein apokarpes Gynäceum (A), ein synkarpes (C) und einen nur im unteren Teil verwachsenen Fruchtknoten mit freien Griffeln (B) dar.

Fig. 520. Verschiedene Formen des Gynäceums. A Von Aconitum Napellus. B Von Linum usitatissimum. C Von Nicotiana rustica. D Griffel und Narbe von Achillea millefolium. f Fruchtknoten, g Griffel, n Narbe. Vergr. Nach BERG und SCHMIDT.