Fig. 664. Umbelliferenfrüchte im Querschnitt. 1 Foeniculum capillaceum. 2 Pimpinella Anisum. 3 Conium maculatum. 4 Coriandrum sativum. (4 mit Benutzung einer Figur von O. DRUDE) Vergr. — Offizinell.

Fig. 665. Carum Carvi. 1⁄2 nat. Gr. Fruchtstand, Einzelblüte und Teilfrüchte am Karpophor. Vergr. — Offizinell.

Für die systematische Unterscheidung sind vor allem die Früchte von Bedeutung. Jede Teilfrucht ist mit fünf Rippen ausgestattet, welche die Leitbündel führen. An der Fugenfläche liegen die Randrippen der beiden Teilfrüchte, die häufig von den übrigen drei Rückenrippen verschieden sind. Zwischen den fünf Hauptrippen finden sich bisweilen noch vier Nebenrippen (Coriandrum). In der Regel folgt jedoch ein Tälchen auf eine Rippe, und in jedem Tälchen verläuft ein großer, die Frucht der Länge nach durchziehender, als Ölstrieme bezeichneter Sekretgang. Die Fugenfläche führt beiderseits des Karpophors je eine Ölstrieme, so daß sechs davon jeder Teilfrucht zukommen ([Fig. 664], 1). Daneben finden sich bei einzelnen Formen noch anderweitige Sekretbehälter ([Fig. 664], 2, 3). Verschiedene Querschnittsform der Früchte, je nachdem der quer zur Fugenfläche genommene oder der in ihr liegende Durchmesser größer ist, Form von Rand- und Rückenrippen, Fehlen oder Vorhandensein von Ölstriemen oder Nebenrippen ermöglichen eine gute und sichere Erkennung der Früchte; diese sind für die Bestimmung der Arten unentbehrlich. Da zahlreiche Umbelliferenfrüchte als Arzneimittel und Gifte, andere als Gewürze usw. benutzt werden, ist ihre Unterscheidung von erheblicher Bedeutung. Das Endosperm der Umbelliferensamen hat fettes Öl als Reservestoff gespeichert.

Bei Pimpinella, Bibernell, und den folgenden Gattungen ist das Endosperm an der Fugenseite flach oder schwach konvex ([Fig. 664], 1, 2). Pimpinella Anisum, der einjährige Anis. Carum Carvi, Kümmel, eine alte Kulturpflanze ([Fig. 665]), deren Blätter doppelt gefiedert-fiederspaltig sind, mit nebenblattartigen untersten Fiederchen; die folgenden größeren werden an der vertikal aufsteigenden Hauptspindel horizontal gestellt. Die letzten Fiederchen endlich sind einfach lineal. Jede gipfelständige, erstblühende Dolde wird von den aus oberen Blattachseln entwickelten seitlichen übergipfelt. Die Pflanze ist zweijährig. Foeniculum, Fenchel, Pastinaca, Pastinak und Levisticum, Liebstöckel, blühen gelb; Petroselinum, Petersilie, Daucus, Möhre oder Karotte, Apium, Sellerie, Anethum, Dill, sind Gemüsepflanzen. Die Wasser- oder Sumpfpflanzen: Cicuta, Wasserschierling ([Fig. 666]), Sium, Merk, Oenanthe, Pferdekümmel, Berula, Berle, ebenso die sog. Hundspetersilie Aethusa Cynapium ([Fig. 667]), ein Gartenunkraut mit gekielten Fruchtrippen und drei langlinealen außenwendigen Hüllblättchen am Döldchen, sind sämtlich giftig. Archangelica officinalis, Engelswurz, eine bis etwa 2 m hohe stattliche Pflanze, hat doppelt gefiederte große Blätter mit sackförmigen Scheiden; ihre grünlichen Blüten sind auffallend stark protandrisch; die Pflanze dient im hohen Norden als Nahrungsmittel.

Fig. 666. Cicuta virosa. 1⁄2 nat. Gr. Rhizom-Längsschnitt. Frucht vergr. — Giftig.

Bei Scandix und Anthriscus, dem Kerbel, sind die Früchte geschnäbelt, und die Fugenseite des Endosperms wird, wie bei den folgenden Gattungen, von einer Längsrinne durchzogen. Chaerophyllum, Kälberkropf. Conium maculatum ([Fig. 668]), der Schierling, ist eine häufige zweijährige Pflanze, oft von stattlicher Höhe. Diese bekannte Giftpflanze ist völlig unbehaart, die roten Flecken am Stengel wie den Blattstielen rechtfertigen den Artnamen. Die mattgrünen Blätter sind doppelt bis dreifach gefiedert-fiederteilig, und ihre äußersten Spitzen laufen stets in einen farblosen stachelartigen Fortsatz aus. Diese Blattform und die wellig gekerbten Längsrippen des der Ölstriemen in den Tälchen entbehrenden Fruchtknotens sind neben dem eigenartigen unangenehmen Geruch die Hauptkennzeichen der Pflanze ([Fig. 664], 3).

Bei Coriandrum sativum ist die Fugenseite des Endosperms ausgehöhlt ([Fig. 664], 4). Der einjährige Koriander hat durch starke Verlängerung der nach außen gekehrten Kronblätter dorsiventrale Blüten. Durch feste Verwachsung der an der Fugenseite tief ausgehöhlten zwei Teilfrüchte wird die Gesamtfrucht kugelig mit geschlängelten, kaum vortretenden Hauptrippen und dazwischen etwas schärfer markierten geraden Nebenrippen.