1. Familie Malvaceae. Charakteristisch für die Familie sind in der Knospe gedrehte protandrische Blüten, deren Staubblätter zu einer der Krone angewachsenen Röhre verbunden sind, welche die Griffel umhüllt ([Fig. 709], [710]) und nur oben in zahlreiche freie Enden mit je einer nierenförmigen Theca gespalten ist. K5, C5, A(∞), G(3) oder ∞. Die Pollenkörner sind mit stachliger Exine versehen, so daß sie leicht am Haarkleid der bestäubenden Insekten haften ([Fig. 516]).
Stammbaum des Columniferenastes und der anschließenden Familien nach serodiagnostischen Untersuchungen von F. HOEFFGEN.
Fig. 709. Althaea officinalis. Längsdurchschnittene Blüte mit teilweise entfernten Kronblättern. a Der Außenkelch, b der Innenkelch, c die Kronblätter, d das Andröceum, f der Griffel, e die Samenanlagen. Nach BERG und SCHMIDT. — Offizinell.
Fig. 710. Malvaceae. Diagramm (Malva).
Fig. 711. Malva silvestris. a Blüte. b Blütenknospe, c Frucht. Nat. Gr. Nach H. SCHENCK. — Offizinell.
Die einheimische Gattung Malva umfaßt ausdauernde Kräuter mit langgestielten, handnervigen Blättern. Die Blüten sind einzeln oder in kleinen Wickeln blattachselständig verteilt; sie besitzen drei freie Außenkelchblätter und tief ausgerandete, meist rosa gefärbte Kronblätter ([Fig. 711]). Die Vegetationsorgane der nahe verwandten Gattung Althaea sind dicht mit Büschelhaaren bekleidet, sammetig weich. Ihr Außenkelch zählt sechs bis neun am Grunde verwachsene Blätter. Die Früchte sind Spaltfrüchte, den zahlreichen, kreisförmig angeordneten Fruchtblättern entsprechend. Hibiscus und Gossypium-Arten sind Sträucher oder Bäume mit drei- bis fünfzipfligen, langgestielten Blättern, deren Blüten mit drei großen, die Knospen völlig verdeckenden Außenkelchblättern versehen sind; ihre Früchte sind drei- bis fünfkarpellige, fachspaltige Kapseln. Der dichte Filz langer Flughaare auf den Gossypiumsamen dient ihrer Verbreitung und liefert, durch Kultur und Auslese verfeinert, die Baumwolle ([Fig. 712]).