Fig. 817. Dracaena draco. Drachenbaum von Laguna, Kanarische Inseln. Nach C. CHUN.

Die 3. Familie Amaryllidaceae unterscheidet sich von den Liliaceen nur durch unterständigen Fruchtknoten. Die einheimischen Amaryllidaceen Leucojum ([Fig. 819]), Galanthus (Schneeglöckchen) und Narcissus sind Zwiebelgewächse und im Habitus den Zwiebeln besitzenden Liliaceen ähnlich. Die Mehrzahl der Gattungen gehört aber den Tropen und Subtropen an, wie z. B. die häufig in Warmhäusern kultivierten Alstroemeria-, Haemanthus-, Clivia- und Crinum-Arten. Wichtiger ist die Gattung Agave. Diese mächtigste aller Blattsukkulenten ist in zahlreichen Arten im wärmeren Amerika zu Hause. Zur Zeit ist Agave Sisalana aus Yucatan eine der wichtigsten Faserpflanzen, die in großem Maßstabe z. B. in Ostafrika und anderen Kolonien mit trockenem und doch warmem Klima angebaut wird. A. Salmiana liefert in ihrem nach Abschneiden der Infloreszenzknospe überreichlich ausfließenden, alsdann vergorenen Safte: Pulque, das Nationalgetränk der Mexikaner. Anspruchslosere Agave-Arten sind vielfach im Mittelmeergebiet akklimatisiert.

Fig. 818. Paris quadrifolia. 1⁄2 nat. Gr. — Giftig.

Fig. 819. Leucojum aestivum. a Blütenschaft (verkleinert), b Gynäceum und Andröceum (nat. Gr.). Nach F. A. W. SCHIMPER.

Die 4. Familie Iridaceae gleicht den Amaryllidaceen im Besitze eines unterständigen Fruchtknotens, unterscheidet sich aber von ihnen und dem Liliaceentypus durch das Fehlen des inneren Andröceumwirtels ([Fig. 820]) (vergl. die atavistische Form Iris pallida, Lam. forma abavia Heinricher [S. 474], [Fig. 528]). Die beiden Perigonkreise sind nicht immer gleichförmig. Die Iridaceen zeigen stets ungestielte Blätter und überwiegend knollenförmige oder gestreckte Rhizome, während Zwiebeln minder häufig sind. Die Früchte werden zu loculiciden Kapseln. Die Familie ist vorzugsweise im Kapland und den wärmeren Teilen Amerikas heimisch.

Crocus sativus, der Safran, ist eine alte Kulturpflanze des Orients mit schmal-grasartigen Blättern und knollenförmigem Rhizom. Die Blüten sind steril, wenn sie nicht mit Pollen wilder Formen bestäubt werden. Ihre großen Narben liefern den „Crocus“ oder Safran ([Fig. 821]). Andere Arten werden häufig als Zierpflanzen kultiviert. Iris, eine auch in Deutschland mit der Sumpfpflanze I. Pseudacorus einheimische Gattung, ist durch zweizeilige reitende Blätter ausgezeichnet, d. h. die Blätter umfassen das dickfleischige Rhizom mit ihrer Scheide, steigen vertikal empor und zeigen zwei gleiche Flanken bei schwertförmigem Umriß ([Fig. 822]). Die ansehnliche Blüte schlägt ihren äußeren Perigonkreis abwärts, wölbt dagegen den inneren empor, ihre drei Antheren werden von den drei großen, kronartig entwickelten Griffelästen völlig überdeckt, die auf ihrer Außenseite einen kleinen dreieckigen Narbenlappen tragen. In der Gattung Gladiolus ist die Gleichartigkeit der Perigonblätter noch weiter gestört, die Blüten werden dorsiventral.