Sehr häufig bei Monokotylen, seltener bei den Dikotylen (z. B. Umbelliferen) ist aus dem Blattgrund eine Scheide geworden. Bei den Gräsern ist sie ([Fig. 138] v) auf der einen Seite gespalten, bei den Riedgräsern dagegen völlig geschlossen. Die Scheide der Gräser, die den unteren Teil des noch wachsenden und weichen Internodiums schützt und stützt, setzt sich am Grunde der ungestielten Blattspreite in einen häutigen Auswuchs, die Ligula (l), fort; an ihrer Basis aber ist sie unmittelbar oberhalb des Stengelknotens zu einem „Gelenk“ (dem Gras„knoten“) angeschwollen ([Fig. 138] k).

Die Ligula entspricht nach GLÜCK den miteinander verwachsenen Spitzen der Vaginalstipeln, aus denen die Blattscheide hervorgegangen ist.

Heterophyllie und Anisophyllie. Manche Pflanzen bilden verschieden gestaltete Laubblätter aus, entweder in verschiedenen Zonen des Stengels (Heterophyllie, [Fig. 139], [140]) oder in einer und derselben Zone auf den beiden Seiten des dorsiventralen Sprosses (Anisophyllie, [Fig. 141]). Mit Anisophyllie ist oft Asymmetrie der Blattspreiten verbunden. Heterophyllie zeigen viele Wasserpflanzen mit bandförmigen oder zerteilten untergetauchten Wasserblättern, die an das Leben im Wasser angepaßt sind, und mit viel weniger zerteilten, gestielten Luftblättern ([Fig. 139]). Die Blätter, die der Efeu zur Zeit der Blütenreife entwickelt, sind wesentlich anders gestaltet als die, die er vorher ausgebildet hat. Noch auffälliger ist dieser Unterschied bei Eucalyptus globulus, der zunächst ovale und sitzende, später sichelförmige Blätter ausbildet. Häufig sind die untersten Blätter von Keimpflanzen (Jugend- oder Primärblätter) einfacher geformt als die übrigen (Folgeblätter).

Fig. 138. A Stengel und Blattstück einer Graminee. Nach SCHENCK.
B Gras„knoten“ im Längsschnitt, etwas schematisiert. h Halm, v Blattscheide, k Anschwellung der Blattscheide über dem Stengelknoten, s Stück der Blattspreite, l Ligula. Nat. Gr.

Fig. 139. Batrachium aquatile. Wasserhahnenfuß. ub Untergetauchte Blätter, sb schwimmende Blätter, b Blüte, f Fruchtanlage. Verkleinert. Nach SCHENCK.

Fig. 140. Keimpflanze von Acacia pycnantha. Die Keimblätter schon abgeworfen. 1–6 Jugendblätter, 1–4 einfach-, die folgenden doppelt gefiedert. An den Blättern 5 und 6 sind die Blattstiele bereits senkrecht abgeflacht. Bei den folgenden Blättern (7, 8, 9) sind sie als Phyllodien ausgebildet. n Nektarien an den Phyllodien. Vergr. ca. 1⁄2. Nach SCHENCK.

B. Die Keimblätter. Die Keimblätter oder Kotyledonen, die gestielt oder ungestielt sein können, sind fast immer viel einfacher gestaltet als die Laubblätter, wenn sie auch oft im wesentlichen dieselbe Gliederung wie diese erkennen lassen.