Fig. 157. Querschnitt durch die Wurzel von Acorus Calamus. m Mark, s Gefäßstränge, v Siebstränge, p Perizykel, e Endodermis, c Rinde. Vergr. 90. Nach STRASBURGER.

In etwas älteren Wurzelteilen werden die Endodermiszellen durch Suberinlamellen verkorkt und, bei vielen Monokotylen, außerdem durch tertiäre Verdickungsschichten meist einseitig nach dem Zentralzylinder zu verdickt ([Fig. 160]). Treten solche Veränderungen frühzeitig auf, so bleiben bestimmte, vor den Gefäßsträngen des Leitbündels gelegene Endodermiszellen, die Durchlaßzellen, davon ausgeschlossen (d [Fig. 160]).

Die äußerste parenchymatische Zellschicht des Zentralzylinders der Wurzeln ([Fig. 157] p, [158] pc, [160] p), also die Schicht direkt unter der Endodermis, bildet den Perizykel, der meist einschichtig ist, in seltenen Fällen auch fehlen kann. Im Zentralzylinder verlaufen in gerader Längsrichtung die Leitungsbahnen, die als Gefäß- und als Siebstränge ausgebildet sind und bei allen Wurzeln ein radiales Leitbündel[61] bilden (vgl. [S. 85]). Die Gefäß- und Siebstränge sind also in das übrige Gewebe des Zentralzylinders radial nebeneinander und zwar so eingebettet, daß sie voneinander durch eine bis mehrere Zellschichten (meist Leitparenchym) getrennt bleiben. Die plattenförmigen Gefäßstränge sind in der Wurzel umgekehrt wie in den kollateralen Leitbündeln des Stengels orientiert: im Stengel haben sie ihre engsten Gefäße innen, die weitesten außen, in der Wurzel dagegen die weitesten Gefäße innen, die engsten am Umkreis des Leitbündels. Von außen nach innen folgen also Ring-, Schrauben-, Netz- und Tüpfelgefäße aufeinander. Auch die Phloëmprimanen liegen peripher, am Außenrande der Siebstränge, die rundlichen Querschnitt haben. Nach der Zahl der vorhandenen Xylemstränge wird die Wurzel als diarch, triarch usw., schließlich als polyarch bezeichnet. So ist die in [Fig. 157] dargestellte Wurzel oktarch, die der [Fig. 160] pentarch. Die Gefäßstränge stoßen in der Mitte der Wurzel entweder zusammen, wie in [Fig. 158] u. [160]; oder es ist dort, wie die [Fig. 157] zeigt, ein zentraler Strang aus Parenchym oder Sklerenchym, oft auch aus beidem vorhanden. Die meisten Wurzeln werden vor allem auf Zugfestigkeit in Anspruch genommen. So ist das Festigungsgewebe hauptsächlich in das Zentrum der Wurzel verlegt, wo es durch seine geschlossene Masse die Wurzeln am besten vor Zerreißung schützt ([Fig. 159]).

Fig. 158. Querschnitt durch das radiale Leitbündel der Wurzel von Ranunculus acer. R Rindenparenchym, S Endodermis, pc Perizykel, ph Phloëm, px Xylemprimanen, G Tüpfelgefäße. Vergr. 200. ROTHERT frei nach DIPPEL.

Fig. 159. Mechanisches Gewebe der Wurzel. 1 Zentral angeordnet für Zugfestigung. 2 Neben dem zentralen Strang ein peripherer Mantel P für Druck- und Biegungsfestigung (Stützwurzel). Nach NOLL.

Für ein Organ, das zugfest sein soll, ist es an und für sich ziemlich gleichgültig, wo auf dem Querschnitt die Festigungsmassen liegen. Immerhin ist ihre Vereinigung im Zentrum zu einem einzigen Strang jeder anderen Anordnung überlegen. Wären nämlich statt dessen z. B. viele entsprechend dünnere Stränge an der Peripherie verteilt, so würden einzelne bei einem einseitigen Zuge der Gefahr der Zerreißung ausgesetzt sein.