In dem Garten von La Mortola ist auch die Citrus bergamia zu finden, aus deren Fruchtschalen das äußerst wohlriechende Bergamottöl gewonnen wird; desgleichen steht dort die Citrus myrtifolia, deren sehr kleine Früchte, in Zucker eingesotten, die beliebten »Chinois« liefern. Es fehlt auch nicht die süße Limone oder Limette, die nur eine Abart der sauren Limone ist und wie die süße Orange gegessen wird.

Eigenartig sieht die Citrus trifoliata aus, ein aus Japan stammender Strauch, der dreitheilige Blätter trägt und mit großen scharfen Dornen bewaffnet ist. An seinen Blüthen und Früchten kann man ihn als Citrus-Art erkennen, sonst macht er wirklich nicht diesen Eindruck. Er verträgt die Kälte so gut, daß man ihn selbst in Paris im Freien sieht.

Besonders fällt in dem La Mortola-Garten eine monströse Orangenform auf, die der Katalog als »Citrus Aurantium var. Buddhafingered« [pg 045] bezeichnet. Die Mißbildung beruht darauf, daß die einzelnen Fruchtfächer, aus welchen die Orange aufgebaut ist, statt zu einer runden Frucht vereinigt zu bleiben, an ihren Enden frei hervorwachsen. Dadurch bekommt diese Frucht eine Anzahl von Fortsätzen und erinnert entfernt an eine Hand mit vorgestreckten Fingern. Diese Ähnlichkeit hat in Indien den Vergleich mit »Buddha's Hand« veranlaßt und abergläubische Vorstellungen erweckt. Ganz ähnliche Mißbildungen kommen auch, in mannigfacher Verschiedenheit, bei den Citronen und Limonen vor und werden durch Veredlung festgehalten.

Weitaus der merkwürdigste Baum in der Reihe der Agrumi ist die Bizzarria, welche der La Mortola-Garten ebenfalls besitzt. Schöner entwickelt sah ich diese Pflanze im botanischen Garten zu Neapel. Die Bizzarria trägt zugleich Orangen, Citronen und Limonen. Sie weist auch Früchte auf, welche die Mitte zwischen jenen Fruchtformen halten, endlich auch Früchte, an welchen einzelne Fächer das Aussehen von Orangen, andere dasjenige von Limonen oder Citronen besitzen. Es sind Bizzarrien beschrieben worden, deren Früchte die Bestandtheile von fünf verschiedenen Fruchtformen der Agrumi in sich vereinigten. Die Entstehung der Bizzarrien ist bis jetzt nicht endgültig aufgeklärt worden. Die Einen halten sie für Bastarde, während Andere meinen, sie seien bei der Veredelung durch zufällige Vermischung der Eigenschaften der Unterlage und des Edelreises entstanden. Letzteres wäre sehr merkwürdig, da die Erfahrung, die wir täglich bei der Veredelung unserer Obstbäume, der Rosen und anderer Gewächse machen, sonst lehrt, daß die Unterlage ohne allen Einfluß auf das Edelreis bleibt, daß beide ihre Eigenschaften unvermischt behalten. – Die Bizzarrien sind seit der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts bekannt. Sie mußten ja von Alters her durch ihr merkwürdiges Verhalten die Aufmerksamkeit auf sich richten. Zum ersten Mal wird über die Bizzarria im Jahre 1644 berichtet und angegeben, daß sie im Garten Panciatichi in Florenz wachse. Im Jahre 1711 beschäftigte sich [pg 046] die französische Academie der Wissenschaften mit derselben und kam zu dem eigenthümlichen Schluß, sie sei eine ursprüngliche Pflanzenart eben so gut wie die Orange oder die Citrone.

In unserem nordischen Garten wird übrigens auch ein kleiner Baum cultivirt, der sich ähnlich wie die Bizzarria verhält. Es ist ein Goldregen, der dem Gärtner zu Ehren, der ihn in den Handel einführte, Cytisus Adami genannt wird. Sein Ursprung ist ebenso wenig wie derjenige der Bizzarrien aufgeklärt. Dieser äußerst zierliche und interessante Baum, der sich leicht cultiviren läßt und bei keinem Gartenliebhaber fehlen sollte, trägt zur Blüthezeit der Hauptsache nach Blüthentrauben, die ganz so wie diejenigen des gewöhnlichen Goldregens (Cytisus Laburnum) gebaut, aber nicht gelb, sondern mattroth sind. An einzelnen Zweigen sind aber auch reingelbe Blüthentrauben, die sich dann von denjenigen des gewöhnlichen Goldregens gar nicht mehr unterscheiden, zu sehen. Außerdem trägt der Baum an besonders gestalteten kleinblätterigen Zweigen purpurne Einzelblüthen, welche, so wie die Zweige selbst, einer anderen Cytisus-Art, dem Cytisus purpureus gleichen. Endlich kommen gemischte Blüthentrauben mit gelben und rothen Blüthen und mit Blüthen, die zum Theil gelb, zum Theil roth sind, vor. Nur die gelben Blüthen, die denjenigen des Cytisus Laburnum, und die purpurnen Blüthen, die denjenigen des Cytisus purpureus gleichen, setzen Früchte an, die anderen verhalten sich wie häufig sonst die Blüthen der Bastardpflanzen, sie sind unfruchtbar. Es ist möglich, daß es sich bei Cytisus Adami um einen eigenartigen Bastard zwischen Cytisus Laburnum und Cytisus purpureus handelt; der Gärtner Adam zu Vitry bei Paris gab seinerseits an, ihn durch Veredelung von Cytisus purpureus auf Cytisus Laburnum erhalten zu haben.

In den Gärten von der Mortola wird Jeder gern auch den Namen und die Heimath von zwei Pflanzen erfahren wollen, die ihm in den Gärten der Riviera sicher zuvor schon aufgefallen sind: nämlich der Wigandia Caracasana und des Echium frutescens [pg 047] Die erstere ist eine stattliche, aus Venezuela stammende Blattpflanze, die bis zwei Meter Höhe erreicht. Ihre sehr großen Blätter sind elliptisch, am Rande doppelt gezähnt, beiderseits behaart, an der Oberseite etwas rostfarbig. Die großen violetten, mit gelben Staubfäden versehenen Blüthen bilden ährenförmige Blüthenstände. Wie bei anderen Vertretern derselben Familie, der Hydrophyllaceen und der nah verwandten Familie der Boragineen oder der Boretsch-Gewächse, sind die Blüthenstände von Wigandia in ihrem oberen Theile schneckenförmig eingerollt. Der eingerollte Theil ist noch unfertig und rollt sich in dem Maße auf als seine Blüthenknospen reifen. Solche Einrichtungen gewähren den Vortheil einer sehr langen Blüthezeit. Da kann die blühende Pflanze schlechte Witterung, oder sonst wie ungünstige Zeiten überdauern, ohne daß ihre Samenbildung ganz verhindert werde. Wie diese verhältnißmäßig große Wigandia, so gehörte zu derselben Familie der Hydrophyllaceen das in unseren Gärten häufig cultivirte bescheidene Hainschönchen, die Nemophila insignis; zu den nah verwandten Boragineen rechnen wir von unseren Gartengewächsen unter anderen das als Küchengewächs wohlbekannte Gurkenkraut (Borago), von wildwachsenden Pflanzen unserer Flora den nicht minder verbreiteten Natterkopf (Echium vulgare). Das in den Gärten der Riviera so auffällige, oft bis zwei Meter hohe, mexikanische Echium frutescens, ist eigentlich nur eine Riesenausgabe dieses letzteren. Wer unseren Natterkopf kennt, wird auch jenes Riesen-Echium erkennen und unter den anderen Gewächsen des Gartens sicher herausfinden. Es trägt dieselbe blaue, kolbenförmige Blüthenähre wie unser Echium, nur fällt dieselbe eben durch ihre Größe auf.

Doch wir wenden uns nun einem Baume zu, dessen Zweige einst wie jetzt den Sieger schmückten, dessen Blättern freilich auch die bescheidene Aufgabe zufällt, unsere Speisen zu würzen. Der edle Lorbeer, der mit italischen Bildern ebenso wie die Agrumi verwebt erscheint, ist in Südeuropa sicher heimisch gewesen, sein Cultus pflanzte sich hingegen allem Anschein nach von Kleinasien [pg 048] über das Mittelmeer fort. Er wurde dem Apoll geweiht und in dem Maße, wie die Zahl apollinischer Heiligthümer in Griechenland zunahm, breiteten sich auch die aromatisch duftenden, immergrünen Lorbeerhaine immer mehr über dieses Land aus. Mit den griechischen Gottheiten gelangte der Lorbeerbaum auf italischen Boden, und es begleitete ihn dort zugleich als Cultus-Gewächs die der Aphrodite geweihte Myrte.

Allgemein war im Alterthum der Aberglaube, daß der Lorbeer gegen Dämonen, gegen Zauber und auch gegen Ansteckung schütze. So suchte, wie berichtet wird, der furchtsame Commodus im Lorbeerhaine Rettung, wenn die Pest im Anzug war. Kronen von Lorbeer legte man Wahnsinnigen um Schläfe und Hals, um sie zu heilen. Lorbeerfrüchte oder -Blätter genossen die Priester des Apollo, wenn sie weissagen sollten; Lorbeer trugen Propheten, wenn sie eine Stadt betraten. Der Lorbeer sühnte das vergossene Blut. Daher die römischen Legionen sich, ihre Feldzeichen und Waffen mit Lorbeer reinigten, gleich nach dem Siege. Das hatte den Lorbeer folgerecht auch zur Trophäe des Sieges und zum Zeichen der glücklich vollbrachten Waffenthat gemacht. Als eine Freude und als ein Glück verheißendes Augurium wurde verkündet, es sei am Tage, an welchem Augustus das Licht der Welt erblickte, ein Lorbeer vor dem Palatin entsprossen. Die reinigende Kraft des Lorbeers veranlaßte dessen Verwendung zu Aspergillen. Der Strenggläubige besprengte sich beim Eintritt wie beim Ausgang aus dem Tempel mit dem Lorbeerzweig, den er in das Weihwasser tauchte, und gern auch nahm er beim Herausgehen ein Lorbeerblatt vom Sprengwedel in den Mund. Die römisch-katholische Kirche hielt sich nicht an den Lorbeer als Sprengwedel, übernahm vielmehr den Ysop (Origanum Smyrnaeum) zu gleichem Zwecke von den Juden.

Der Lorbeer brennt, nach Plinius, nur unwillig und zeigt dies durch sein Knistern an. Der feuerabwehrenden Kraft des Lorbeers wurde es zugeschrieben, daß bei dem großen Brande [pg 049] Roms unter den Consuln Spurius Postumius und Piso, als die Regia in Flammen stand, das Sacrarium unversehrt blieb, da ein Lorbeer vor demselben stand. Andererseits war es gerade das Lorbeerholz, das im Alterthum zur Erzeugung des Feuers diente; doch fing es nicht selbst Feuer, es bildete vielmehr, wie uns Theophrast und Plinius berichten, das Reibholz, während die Unterlage, die durch Reibung entzündet wurde, meist aus Wegedorn (Rhamnus) oder aus Epheuholz bestand. Ein reines Feuer zu den Sacra durfte nur der Reibung zweier glückbringender Hölzer entstammen, oder den Sonnenstrahlen, die man mit Hülfe von Brenngläsern oder von metallischen Hohlspiegeln sammelte. Der Lorbeer sollte auch die Blitze abwehren. Daher auch der abergläubische Tiberius, wie Suetonius berichtet, sich mit Lorbeer bekränzte, wenn ein Gewitter nahte. Gewisse Erfahrungen mögen die Vorstellung erweckt haben, daß dem Lorbeer bei Gewittern besondere Kräfte innewohnen. Denn es werden nicht alle Bäume gleich häufig vom Blitze getroffen. Auch bei uns schlägt der Blitz fast niemals in Wallnußbäume ein, am häufigsten aber in Eichen. Es hängt das mit der elektrischen Leitungsfähigkeit des Holzkörpers zusammen, die bei den einzelnen Baumarten eine verschiedene ist. Aus den angestellten Versuchen und dem statistischen Material scheint sich zu ergeben, daß Bäume, die zur Jahreszeit der Gewitter verhältnißmäßig viel fettes Oel in ihrem Holzkörper führen, dem Blitzschlag am wenigsten ausgesetzt sind. Abgestorbene Aeste an einem Baume erhöhen für denselben die Blitzgefahr. Daß die Eichen am häufigsten vom Blitze getroffen werden, mußte von jeher auffallen, daher die Eiche auch dem Donnergott geheiligt war. Von dem Lorbeer ist die gegentheilige Erfahrung weniger sicher, zum Mindesten ist sie in Zweifel gezogen worden.

Zu den Lorbeerarten gehört auch der Campherbaum (Laurus Camphora), der im westlichen China und in Japan zu Hause ist und im La Mortola-Garten sehr gut gedeiht. Völlig ausgewachsen, kann er bis fünfzig Meter hoch und sechs Meter dick [pg 050] werden. Seine Blätter verbreiten beim Zerreiben einen merklichen Camphergeruch. Der Campher wird aber im Großen nicht aus den Blättern, sondern aus dem Holzkörper dieses Baumes durch Sublimation gewonnen.