Die jetzt mit dem Bau und der Verarbeitung des einheimischen Tabaks beschäftigten Personen würden alsdann mit dem Bau und der Verbreitung der an seine Stelle tretenden Bodenprodukte beschäftigt sein und die jetzt für ausländischen Tabak bezahlten Summen würden, in Gestalt von Wittwen- und Waisen-Pensionen in den Verkehr zurückgeströmt, dazu dienen, das Haushaltsniveau der Arbeiterbevölkerung zu erhöhen, also ihre Kaufkraft für anderweitige Genussmittel zu steigern. Dadurch würde die nationale Produktion weit mehr gewinnen, als sie durch das Aufhören des Tabaksexports und der Verarbeitung des ausländischen Tabaks verlöre.
Da eine solche Umwandlung aber von innen heraus keinesfalls allzuschnell erfolgen dürfte, so ist es Aufgabe des Staates, dieselbe durch eine möglichst hohe Steigerung der Tabakssteuer zu unterstützen, denn auf nichts ist eine hohe Steuer so wohl angebracht als auf dies Laster. Wäre nicht die bei weitem grösste Zahl der Abgeordneten und Wähler rauchende Männer, wäre statt dessen eine Volksabstimmung nach Köpfen möglich, so würde nächst der Branntweinsteuer keine Steuer bereitwilliger erhöht werden, als die auf den Tabak.
Eine wesentliche Verminderung des Rauchens liesse sich freilich auch von der stärksten Erhöhung der Tabakssteuer nicht augenblicklich erwarten, da die gewohnheitsmässigen Raucher doch weiter rauchen würden, nur etwas geringere Sorten; aber in der nächstfolgenden Generation würde der Einfluss doch sehr bedeutend werden, da die erhöhte Kostspieligkeit des Rauchens ein verstärktes Gegenmotiv gegen die Angewöhnung desselben liefern und für viele Jünglinge entscheidend werden könnte.
Die Einführung des Monopols würde die nicht zu unterschätzende Gefahr in sich schliessen, dass der Staat das Rauchen auf alle Weise, insbesondere bei den höheren Gesellschaftsklassen begünstigte, um erhöhte Einnahmen zu erzielen, und dadurch dem aus der Mode-Kommen desselben entgegenwirkte. Dieses nationalökonomische Bedenken trifft das Tabaksmonopol jedenfalls in höherem Grade als das Branntweinmonopol, weil jede anständige Regierung sich schämen würde, ihre Unterthanen zum Trinken zu verleiten, nicht aber zum Rauchen.
3. Die Politik und die Jugend.
Ein Hauptunglück der Zeit nach d. J. 48 in Deutschland ist das Zusammentreffen gesteigerter Berufsansprüche mit dem Ueberwuchern politischer Interessen über die künstlerischen, wissenschaftlichen, gemüthlich-geselligen und religiös-sittlichen. Die in jeder Berufstätigkeit gegen früher erheblich gesteigerten Ansprüche an den Träger verringern nicht nur die Musse, sondern lassen auch den einzelnen nach gethaner Tagesarbeit erschöpfter und erholungsbedürftiger in die Mussezeit eintreten, so dass er nicht nur weniger Zeit, sondern auch weniger Lust und Kraft verfügbar behält, um sich Interessen, die seinem Berufe fern liegen, mit Ernst und Sammlung zuzuwenden. Was aber noch übrig bleibt, davon nimmt die Politik den Löwenanteil für sich in Anspruch, welche sowohl als politische Tagespresse, wie als politisches Vereinswesen an die Sammlungsfähigkeit des Aufnehmenden nicht allzu hohe Ansprüche stellt. Die Interessen an socialethischen und religiösen Fragen gelangen fast nur noch insoweit zu ihrem Recht, als sie sich mit der Politik berühren, in den Streit der politischen Parteien Eingang gefunden haben und durch die Brille des Politikers angesehen werden können. Das politische Parteitreiben aber macht das Gros der Menschen roh und gewöhnt sie an das Austheilen und Ertragen von Beleidigungen und Beschimpfungen ähnlich wie in der Reformationszeit der konfessionelle Hader.
Wie sollen diese Zustände sich bessern? Die gesteigerten Berufsansprüche entsprechen der Forderung gesteigerter Arbeitsteilung und intensiverer Arbeitsleistung. Die modernen Staatsverfassungen erheischen die Betheiligung aller Männer bei den politischen Wahlen, und ein gleichgültiges Fernbleiben der geistigen Elite des Volks würde das ohnehin schon bestehende Uebergewicht der demagogischen Schreier und Hetzer zu einem geradezu unbestrittenen machen.
Die reifen Männer können und dürfen sich nur ausnahmsweise ihren politischen Pflichten entziehen, aber diese Pflicht sollte doch nur für die reifen Männer gelten. Handarbeiter mögen für relativ reif gelten, wenn sie in das Alter der Wahlberechtigung eingetreten sind (21 bis 24 Jahr); denn geistig reifer als sie dann sind, werden sie doch nur in Ausnahmefällen noch werden. Die gebildeten Stände dagegen brauchen gerade die Zeit vom Abgang aus der Schule bis zur Verheirathung (also etwa vom 18. bis zum 30. Jahre), um sich geistig zu entwickeln und ihre Mannesreife zu gewinnen; wenn sie diese Zeit, wo der Geist bereits das volle Verständniss besitzt, ohne doch schon in festen Ansichten verknöchert zu sein, für ihre humanistische Ausbildung ungenutzt verstreichen lassen und statt dessen sich auf Politik werfen, so versäumen sie meist etwas Unwiederbringliches. Soll die Physiognomie unsrer höheren Gesellschaft vor einer vorzeitigen facies hippocratica bewahrt bleiben, so müssen Studenten und angehende Praktiker die Politik wie die Pest scheuen und die Erfüllung ihrer politischen Staatsbürgerpflichten auf ein Alter verschieben, wo sie durch vielseitige humanistische Bildung in ihrem Geiste einen Grund gelegt haben, auf dem eine selbstständige, von Parteischlagworten unabhängige politische Urtheilsbildung erst möglich wird.
4. Puder und Schminke.
Das grösste koloristische Meisterwerk der Natur ist die Haut der nordischen weissen Menschenrasse; es übertrifft an Feinheit und Komplicirtheit der Farbentöne, an Leuchtkraft und Sättigung alle sonstigen Farbenwunder der Natur. Wer seinen Teint durch Puder und Schminke zu verbessern glaubt, gleicht einem Bilderrestaurateur, der ein Tiziansches Inkarnat durch weisse oder rothe Retouchen zu heben unternimmt. Auch die gelben und grünen Tinten des sogenannten schlechten Teints sind unendlich viel schöner als Mehl und Zinnober. Der Puder macht die Glanzlichter der Haut stumpf und matt, die Schatten kraft- und wirkungslos, die Mitteltöne fade und mehlsuppig; alle Farben in Licht, Schatten und Mitteltönen entfärbt er zum eintönigen Grau des Gypses. Auf der Bühne sind Puder und Schminke ein Mittel zur Herstellung der zur Rolle gehörigen mimischen Maske; wer diesen Bestandtheil des scenischen Scheins ins wirkliche Leben überträgt, gleicht einem Menschen, der seinen Garten mit gemalten Bäumen und Sträuchen zu verschönern versucht, und zeigt zugleich, dass er nicht sein eignes Selbst darstellen, sondern eine Komödiantenrolle im Leben spielen will.