»In derselben Weise kamen die beiden Obersten Hamilton und Schmidt mit einem Trompeter an den Posten, welchen ich bei New-Brunswick in Jersey im Anfang der Campagne von 1777 festhielt, nachdem General Howe von New-Brunswick nach Milztown vorgegangen und wieder zurückmarschiert war. Sie hatten unwichtige Briefe an General Grant von zwei englischen Offizieren seiner Brigade, welche am Tage vorher durch ihre eigene Schuld gefangen genommen worden waren, indem sie zum Vergnügen umhergeritten waren. Ich gab diesen beiden Herren, welche sehr elegante und höfliche Leute waren, zu verstehen, dass ich ihre Absicht wohl gemerkt hätte, und gab ihnen den wohlgemeinten Rat, sich so schnell als möglich fortzumachen und mich so bald nicht wieder zu besuchen. Hierüber schienen sie sehr erstaunt zu sein, befolgten aber meinen Rat mit grosser Eile. Ich würde sie sicherlich zur Verhaftung nach dem Hauptquartier mit verbundenen Augen geschickt haben, wenn ich nicht gewusst hätte, dass das Volk über eine so weise Massregel gegen Amerikaner gelacht haben würde. Das Beste wäre, wenn solche Herren zu unpassender Zeit mit Botschaften kommen, sie wenigstens für einen halben Feldzug mit sich zu nehmen.«
Ich glaube nicht im mindesten, dass Hamilton zu den britischen Vorposten mit der Absicht gegangen war, die ihm hier unterstellt wird, und ich glaube sicher, es geschah, wenn er es that, ohne Mitwissen von Washington. Indessen hat man keinen Grund zu bezweifeln, dass ihm Ewald argwöhnte und ihn in der beschriebenen Weise entliess.
Es wurden nun im Winter von 1776 auf 77 Unterhandlungen eingeleitet, infolge deren Generallieutenant von Heister abberufen wurde von dem Kommando über die hessischen Truppen und Generallieutenant von Knyphausen ihm folgte. Lord Suffolk hatte auf die Rückberufung gedrungen aus dem Grunde, weil Sir William Howe nicht zufrieden war mit Heister. Inwieweit Sir Williams Abneigung gegen ihn an rein persönlichen Gründen gelegen hat, oder in wieweit der Argwohn gerechtfertigt sein mag, dass Heister zu sehr »auf die Erhaltung der unter seinem Befehl stehenden Truppen« bedacht war, ist jetzt vielleicht nicht mehr möglich zu entscheiden. Aber wir wissen, dass Howe bereits vor der Affaire von Trenton mit Heister unzufrieden war, zu einer Zeit, als die englischen Verluste entschieden schwerer gewesen waren als die hessischen. Heister hatte durch den Vertrag zwischen dem König von England und dem Landgraf das Recht des unmittelbaren Befehls über ungefähr die Hälfte von Sir William Howes Armee. Die Abmachungen in dem Vertrage waren unbestimmt genug, um zu vielen Streitfragen Anlass zu geben. Heister soll widerspenstig gewesen sein. Jedenfalls kam er mit seinem Oberbefehlshaber nicht gut aus. Dies dürfte ein genügender Grund gewesen sein, um ihn abzuberufen.
Die englische Regierung zog es vor, nicht offen mit dieser Sache hervorzutreten, sondern die Rückberufung wurde durch den Landgraf veranlasst auf Grund von Heisters Gesundheit und Alter und nur »für eine gewisse Zeit«. Es war aber wohl begreiflich, dass der alte General in Ungnade von dannen ging. Der Landgraf schreibt an Knyphausen: »Nichts als die vollkommene Vernachlässigung aller Ordnung und Disziplin kann diese Schande (von Trenton) über uns gebracht haben. Ich halte es für sehr nötig, über die Sache mit Generallieutenant von Heister zu sprechen, und seine Gesundheit ist obendrein für das Klima dort drüben nicht stark genug. Ich schreibe ihm deshalb, hierher zu kommen für eine gewisse Zeit und übertrage das Kommando ad interim über meine Truppen in Amerika auf Sie.« Heister verstand vollkommen, dass er in Ungnade gefallen war und starb zwei Monate, nachdem er Cassel erreicht hatte, aus Kummer und Sorge.
Im Anfang des Frühjahrs 1777 beliefen sich die wirklichen Besitzungen des Königs von England auf amerikanischem Boden auf folgende: Im Staate New-York: die Insel im Hafen und etwa ein kleines Stück von West Chester County bei Kings Bridge. In New-Jersey: Amboy, New-Brunswick und Paulus Hook. In Rhode Island die eigentliche Insel. Aber die Wichtigkeit dieser Posten war ausser allem Verhältnis zu ihrer Ausdehnung. Sir William Howe kommandierte eine nach modernen Begriffen allerdings kleine Armee, die aber gross genug war um die von Washington an Zahl zu übertreffen, und die aus disziplinierten Truppen, darunter viele Veteranen, gebildet war, während die amerikanische Armee eine veränderliche, hauptsächlich aus Milizen bestehende Masse war. Der Kongress hatte an einem der letzten Tage des Jahres 1776 bestimmt, dass Washington bevollmächtigt sei, auszuheben, zu organisieren und mit Offizieren zu versehen: 16 Bataillone Infanterie, 3000 Mann leichte Kavallerie, 3 Regimenter Artillerie und ein Korps von Ingenieuren. Aber diese Truppen, die erste Armee der vereinigten Staaten, als solche, zusammen mit den 88 Bataillonen, welche gleichzeitig von den einzelnen Staaten aufgestellt werden sollten, existierten bis jetzt hauptsächlich auf dem Papier. Am 14. März 1777 schreibt Washington an den Kongress: »Nach der genauesten Schätzung, welche ich machen kann, erreicht unsere Gesamtstärke in Jersey, welche augenblicklich dienstfähig ist, nicht die Zahl 3000. Diese, ausgenommen 981 Mann, sind Milizen und bleiben nur bis zum letzten dieses Monats zum Dienst verpflichtet. Die Truppen, die in der Ausbildung begriffen sind, belaufen sich, einschliesslich des Personals, auf ungefähr 1000.« Sir William Howes Armee kann zu dieser Zeit schwerlich weniger als 25 000 Mann betragen haben.
Die Handvoll Leute, welche die Sache der Freiheit Amerikas aufrecht erhielt, war ohne Geld, ohne Kredit, oft ohne Kleidung. Gegen diese wurde die Kriegsmacht eines grossen Reiches gesetzt, die Loyalität, angefeuert durch eine alte Monarchie, einen unbegrenzten Kredit, unberechenbare Hülfsquellen. Eine zweite britische Armee bereitete sich vor, von Kanada aus mit der von Sir William Howe zusammen zu operieren und, indem sie die Hudson-Linie besetzte, das Land in zwei Teile zu teilen. Die Amerikaner konnten nicht auf fremde Hilfe rechnen, bis sie nicht die Fähigkeit, sich selbst zu helfen, gezeigt hätten. Ihre Hoffnung konnte sich nur gründen auf die eigene Standhaftigkeit, und auf den Genius und die patriotische Tapferkeit ihres grossen Führers.
[Kapitel X.]
Die Braunschweiger in Canada 1776.
Das Braunschweigische Kontingent der deutschen Truppen, welches von England zur Unterdrückung der Revolte in ihren Nord-Amerikanischen Kolonien gedungen war, wurde von Baron Friedrich Adolph von Riedesel befehligt. Er stammte aus einer adeligen hessischen Familie und war im Jahre 1738 geboren. Im Alter von 15 Jahren war er nach Marburg geschickt worden, um Rechtswissenschaft zu studieren, obschon er kaum schreiben konnte und nur einige wenige lateinische Brocken gelernt hatte. Ein Bataillon hessischer Infanterie stand damals in Marburg, und Riedesel sah lieber den Soldaten zu, als dass er den Professoren der Universität zuhörte. Der Major, der die Bekanntschaft des Jungen gemacht hatte, hoffte ihn als Rekruten zu bekommen. Er gab Riedesel den Rat, in seine Kompagnie mit der Aussicht auf Avancement einzutreten und sagte ihm obendrein, dass er mit seinem Vater gut bekannt sei und an ihn schreiben würde, um seine Einwilligung zu diesem Plane zu erbitten. Kurz darauf sagte der Major zu Riedesel, dass er von seinem Vater gehört, er habe in seine Einstellung eingewilligt. Der Junge war über diese Nachricht entzückt und wurde sofort für den Dienst gemustert. Indessen, als er seinem Vater schrieb, um sich zu bedanken, erhielt er eine sehr enttäuschende Antwort. Baron von Riedesel hatte nie etwas von dem Major gehört und hätte nie seinem Sohn die Erlaubnis gegeben, den für ihn gewählten Beruf zu verlassen. Nun aber, da der junge Mann in den Dienst eingetreten sei, erforderte es die Ehre, seinen Farben treu zu bleiben, aber er brauchte auf keine weitere Unterstützung von Seiten seines Vaters zu rechnen. Es blieb dem jungen Riedesel nichts übrig, als sich in sein Schicksal zu fügen. Die ganze Angelegenheit ist nur ein Beispiel von dem deutschen Rekrutierungs-System der damaligen Zeit.