Die kleinen Gebiete von Anspach und Bayreuth, die zusammen ungefähr 400,000 Seelen enthielten, waren kurz vorher unter der Regierung des Markgrafen Carl Alexander vereinigt worden. Keines von beiden Ländern war unter seinen Souveränen glücklich gewesen. Beide Länder hatten zu Zweigen der grossen Hohenzollern-Familie gehört, deren Hauptlinie bereits in Preussen den Grund zu der Macht gelegt hatte, welche ihr heute den ersten Platz in Europa gegeben hat. Aber den Markgrafen von Anspach und Bayreuth fehlte die Geschicklichkeit, welche der rauhen Strenge König Friedrich Wilhelms, des Vaters Friedrichs des Grossen, zu Grunde lag.

Von diesem Friedrich Wilhelm haben wir ein lebendiges Bild in den Memoiren seiner Tochter Wilhelmine. Wie er seine Kinder mit dem Stock im Zimmer herumjagte, wie Wilhelmine sich unter dem Bett verbarg und Friedrich im Kloset, wie der König grosse Soldaten liebte und seiner Gemahlin gegenüber tobte, ist da genau erzählt. Mit der ausdrücklichen Absicht, ihre Geschichte heiterer zu machen, erzählt die Prinzessin, wie ihr Vater, der im Allgemeinen der keuscheste der Monarchen war, versuchte, eine Hofdame auf der Treppe zu küssen und wie sie ihn in's Gesicht schlug, so dass seine Nase blutete. Wilhelmine vermählte sich mit einem Markgrafen von Bayreuth, und ihre Schwester Friederike Louise mit einem Markgrafen von Anspach; letztere aber lebte nicht auf gutem Fusse mit ihm.

Dieser Markgraf von Anspach war gutmütig in seiner Weise und gütig, wenn er nicht schlecht gelaunt war. Er liebte es, seinen Dienern kleine Gnadenbeweise zu geben, und ihnen persönlich davon Mitteilung zu machen. Er erlaubte bereitwillig, den Kranken Leckerbissen aus seiner Küche zukommen zu lassen. Wenn er nicht betrunken war, so war er geneigt, bei Verbrechern die Todesstrafe in Freiheitsstrafe zu verwandeln, falls sie sich nicht eines so schrecklichen Verbrechens schuldig gemacht hatten, wie der Überredung von Soldaten, zu desertieren, an seinem Hof zu stehlen oder zu wilddieben; aber seine militärischen Exekutionen waren barbarisch. Der Markgraf war regelmässig in seinem Kirchenbesuch und geneigt, Kirchen, Schulen und Hospitäler zu gründen. Er wäre deshalb wohl von seinen Unterthanen geliebt worden, wenn nicht seine ungezähmte Laune, und die Excesse, in die sie ihn führte, gewesen wären. Als er einmal gehört hatte, dass seine Hunde nicht gut gefüttert wurden, ritt er zu dem Haus des Mannes, der sie in Verwahrung hatte, rief ihn an die Thür und erschoss ihn an der eigenen Thürschwelle. Als ein Gastwirt wegen eines kleinen Diebstahls geklagt hatte, liess der Markgraf den Dieb hängen. Im Jahre 1747 war ein Dienstmädchen ohne Untersuchung gehängt worden, weil es einem Soldaten zur Flucht verholfen hatte. Als der Markgraf eines Tages aus seinem Schloss ritt, hielt er still und ersuchte den Wachtposten, der der Stadtwache angehörte und kein regulärer Soldat war, um sein Gewehr. Der arme Bursche, der nicht argwöhnisch war, gab es her, worauf der Markgraf ihn einen Feigling und Schuft nannte und ihn von zwei Husaren an den Schwänzen der Pferde durch den Mühlteich schleifen liess, an welcher Behandlung der Mann starb. Einer seiner Stallmeister, mit Namen von Reitzenstein, obschon habsüchtig und verderbt, war beim Volke beliebt, weil er einigemal diese Excesse mässigte. Bei einer Gelegenheit machte ein Schafhirt mit der Herde nicht schnell genug Platz für den Markgrafen wodurch Seiner Durchlauchtigsten Hoheit Pferd scheute. Der Markgraf forderte des Stallmeisters Pistolen um den Burschen niederzuschiessen. »Sie sind nicht geladen,« antwortete von Reitzenstein. Indessen kurz bevor sie zu Hause anlangten, zog der Stallmeister beide Pistolen heraus und feuerte sie in die Luft. Paff! Paff! »Was ist los?« schrie der erschrockene Markgraf. »Mein gnädiger Herr,« antwortete der andere, »ich glaube, Sie werden diese Nacht viel besser schlafen, nachdem sie den Krach der Pistolen jetzt, als eine Stunde vorher gehört haben.«

Es war sehr gefährlich, des Markgrafen Handlungsweise zu kritisieren. 1740 war ein gewisser Christoph Wilhelm von Rauber angeschuldigt, Karrikaturen und Schmähschriften verbreitet zu haben. Deswegen war er verurteilt worden, sich auf den Mund zu schlagen, doch mit der Verschärfung, dass es für ihn der Scharfrichter thun sollte, ferner sollte er sehen, wie der Letztere seine Schmähschriften verbrannte, und zuletzt geköpft werden, welch letztere Strafe gnädig in lebenslängliches Gefängnis und Konfiskation umgewandelt wurde.

Carl Alexander, der Sohn dieses grausamen Markgrafen scheint etwas menschlicher als sein Vater gewesen zu sein. Er war in seiner Jugend nach Utrecht geschickt worden, um Staats-Wissenschaften zu lernen und dann nach Italien, wahrscheinlich um sich fürstliche Tugenden anzueignen. Er kehrte, durch Ausschweifungen abgelebt, zurück, welches sein Vater dem Reisebegleiter, Rath Meyer Schuld gab. Der letztere wurde in Zelle eingekerkert, sein späteres Schicksal ist unbekannt. Einer anderen Erzählung zufolge wurde er in Altenkirchen hingerichtet.

Im Jahre 1777 war Carl Alexander, der Markgraf von Anspach und Bayreuth geworden, tief in Schulden und entzückt durch die Gelegenheit zwei seiner Regimenter in fremden Sold zu geben. Rekruten und Ersatzleute waren in Zeitabschnitten hinausgesandt worden, bis eine Totalsumme 2353 erreicht war, für deren Dienste der Markgraf mehr als 100,000 Pfd. erhielt. Carl Alexander war der letzte Markgraf von Anspach und Bayreuth. Im Jahre 1791 verkaufte er beide Länder an Preussen, für eine Pension, von welcher er nachher in England lebte, wo er 1806 starb.

Neben den Markgrafen von Anspach scheinen die Fürsten von Waldeck ziemlich beachtenswert. Allerdings gebrauchten sie ihr kleines Land hauptsächlich als Domäne um Leute für den Holländischen Markt aufzuziehen, aber sie selbst fochten mit Auszeichnung für dasselbe Land. Das Ausrüsten von Truppen für Amerika war mehr ein Neben-Geschäft, denn die ganze ausgeschickte Anzahl betrug nur 1225 Soldaten.

Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst, kann als die Karrikatur eines kleinen deutschen Fürsten seiner Zeit angesehen werden. Er regierte über einige 20,000 Seelen, aber man kann nicht sagen, dass er sie regiert hat, denn die letzten 30 Jahre seines Lebens brachte er in Basel und Luxemburg zu. Selbst da fand er, dass seine Unterthanen ihm störend werden könnten, und verbot bei Strafe der Entlassung, durch eine formell gedruckte Ordre, dass ihn einer seiner Beamten mit den Angelegenheiten seines Landes behelligte. Er war nicht übermässig streng, indessen hatte er auf der Insel Wangeroog einen Galgen errichten lassen als Schreckmittel für die Austern-Stehler. Seine Armee von 2000 Mann, und diese noch dazu mehr auf dem Papier, zählte nicht weniger als 11 Obersten, doch als es dazu kam, 600 Mann nach Amerika zu senden, musste er über die Grenzen des Landes hinausgehen, um nicht nur Soldaten sondern auch Offiziere zu finden. Das kleine Fürstentum war so zu sagen in Kommission und wurde durch einige wenige Privat-Räte verwaltet. Es hatte weder Kunst noch Industrie, und hatte durch Krieg, Hungersnot, Pest und Hochwasser gelitten. Aber es war ein Land, das sehr hohe Beziehungen hatte. Die Schwester des Fürsten war die Kaiserin Catharina II von Russland. Der Fürst selbst, obschon er fern vom Lande wohnte, fühlte trotzdem die Höhe seiner Stellung und hatte ein mitfühlendes Herz für Monarchen, wo nicht für Unterthanen. Als er hörte, dass gottlose Franzosen ihren König Louis XVI enthauptet hatten, verfiel er in Melancholie, verweigerte Essen und Trinken und starb, wie er gelebt hatte, als Parodie, die Karrikatur eines königlichen Märtyrers.