„Komm’ nach Hause, Božena.“
„Ich will nicht.“
„Ich muß doch um 9 Uhr im Elektrizitätswerk sein. Sonst wirft man mich hinaus.“
„Dann wird man dich eben hinauswerfen.“
„Du weißt doch, daß mein Vater beim Bürgermeister war, damit ich die Stelle bekomme.“
„Ich halte dich nicht. Du kannst ja gehen.“
Den letzten Satz sprach sie schon davontanzend, denn die Musik hatte das tschechische Volkslied begonnen, das an zwei blaue Augen die Frage richtet, warum sie voll Tränen seien. Der Monteur empfindet das Schmerzliche des letzten Satzes doppelt schmerzlich, weil es im Arme des anderen gesagt worden ist. Er fühlt, daß das Mädel, indem sie ihn abwies, dem anderen eine Liebeserklärung gemacht hat. Fühlt, daß sich jetzt die zwei fester aneinander schmiegen und vielleicht über ihn, den heimgeschickten Dritten lächeln. Der Bursch geht zu seinem Platz zurück und ist blaß.
Allein fortgehen kann er nicht, trotzdem die Božena das behauptet hat. Sonst geht das Mädel mit dem Kanonier nach Hause, und dann lächeln die zwei nicht mehr, sondern sie lachen. Noch mehr Leute, die Stammgäste der „Klamovka“ würden alle lachen über „křen“, den Wurzen, der ein Mädel zum Tanz führt, damit dieses mit einem anderen nach Hause gehen könne. So bleibt der junge Monteur sitzen bis 9 Uhr (die Stunde, zu der er bei der Kontrolluhr im Elektrizitätswerk sein soll) längst vorbei ist. Er sitzt blaß beim Bier und möchte sichs nicht anmerken lassen, wie sehr ihm die Musik in das Herz schneidet, die seinem Mädel zum Tanz mit einem anderen aufspielt. So wiederholt er sich die Worte, die ihm ein Freund im Vorbeigehen tröstend zugerufen: „Was liegt an einem Mädel!“ Spät abend geht er mit der Božka nach Hause. Er weiß gar wohl, daß sie sich für morgen ein Stelldichein mit dem Freiwilligen verabredet hat, er weiß gar wohl, daß jetzt alles aus ist. Er hat aber wenigstens die Blamage verhütet, er begleitet wenigstens das Mädel nach Hause, mit dem er gekommen war. Mag es ihn immerhin seine Stellung gekostet haben!
Es war zum letztenmale, daß er mit Božka heimging. Es war zum letztenmale, daß er auf der „Klamovka“ getanzt hat. Auch wenn das breite Gittertor nicht verschlossen wäre, würde er nicht mehr hingehen. Er verkehrt jetzt in anderen Lokalen. Fast täglich mit einem anderen Mädel. Und wenn jetzt jemand seine Begleiterin verlangend mustert, dann muntert er sie noch auf, den Blick zu erwidern. Er hat auch gar nichts dagegen, wenn sie jetzt mit jemandem den ganzen Abend tanzt, ja selbst wenn sie dann mit dem anderen nach Hause geht. Er fürchtet nicht mehr, als „křen“ zu gelten. Er will nur Geld haben. „Was liegt an einem Mädel!“ Das Wort, mit dem er sich damals zu trösten versuchte, ist seine Lebensmaxime geworden ...
Eine Pointe hat die Geschichte nicht. Es sei denn, man wollte es vielleicht als Pointe ansehen, daß an manchen Abenden auch die Božka (die ginge übrigens heute auch nicht mehr auf die „Klamovka“) zu seiner Klientel zählt. Der Artillerie-Freiwillige tanzt aber schon lange nicht mehr mit ihr.